In die Welt hineinmalen

28. August 2001, 20:07
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Drei Positionen im rundum erneuerten Salzburger Kunstverein

Im rundum erneuerten Salzburger Kunstverein geht es anhand von drei Positionen um eine Standortbestimmung annähernd "veristischer" Malerei - mit Lisa Milroy, Anna Meyer und Peter Doig. Rainer Iglar zeigt Fotografien.

Salzburg - Mit einem Malerei-Gig eröffnete Direktorin Hildegund Amanshauser kürzlich den rundum erneuerten Salzburger Kunstverein: Die Architektengruppe Halle 1 hat im Gründerzeitbau aufgeräumt. Additionen der 70er-Jahre wurden entfernt, die Eingangstreppe ist rück- und eine freischwebende Caféterrasse angebaut worden.

Verschwunden sind auch die Vitrinen der Ringgalerie, für die handlicheren Formate steht nun ein adäquat dimensionierter Projektraum bereit, den Rainer Iglar mit elf Fotografien aus seinem work in progress Liezen einweiht.

Iglar betreibt eine Art topographisch und psychologisch unterfütterte Sozialdokumentation. Die enge Verbindung von Mensch und Umgebung ist Thema eines Werkteilstücks, das mit klarer Form und strengem Bildaufbau besticht.

Die Ausstellung Hier ist dort versammelt in der nunmehr vom partykellermäßigen Plafond gereinigten zentralen Halle drei Malereipositionen, die das klassische Tafelbild als Fenster in die Welt begreifen. Der aus Edinburgh stammende und in London und Kanada lebende Peter Doig, die Kanadierin Lisa Milroy, tätig in London, und die Schweizerin Anna Meyer, die seit einigen Jahren in Wien arbeitet, beschäftigen sich mit dem Bild als materiellem Gegenstand, der "hier" ist und zugleich auf ein "dort", etwas anderes, verweist. Alle drei KünstlerInnen, so Kuratorin Amanshauser, arbeiten auf unterschiedliche Weise an der Repräsentation von Wirklichkeit im Bild und beschäftigen sich mit dem Verhältnis des Bilds zum so genannten Realen.

Lisa Milroy, spätestens seit der Malereishow Der zerbrochene Spiegel im damals noch charmant verkommenen Museumsquartier bekannt, malt einen Tag im Atelier als kleine Bildgeschichte auf, oder nimmt sich japanische Farbholzschnitte zum Vorbild. "Die Welt malen und in sie hineinmalen, das malen, was man liebt", so klingt der O-Ton einer Künstlerin, die gerne reiht, kategorisiert, auf der Fläche verteilt und sich darum bekümmert, welche Rolle Ordnungsmuster fürs Begreifen der Welt spielen.

Anna Meyer taucht uns in die Wechselbäder der Dimensionen, sei das nun inhaltlich oder formal. Ob auf ganzen Schwärmen kleinformatiger Ölbilder oder auf gigantischen Billboards, sie erzählt Geschichten von Mädchen und Autos, von Straßen und Stränden, von Highways und Flughäfen, die bisweilen als erotische Spielplätze taugen. Fotos urbaner Topographien sind die Grundlage von Bildern, die aus der Fläche in räumliche Inszenierungen abgasen.

Auch für Weltmeister Peter Doig ist Fotografie Quelle seiner imponierenden Großformate. Wer etwas über die Kraft und Relevanz der momentanen Situation in der Malerei erfahren möchte, ist bei Doig richtig. Lokale Stimmungen - hier tauchen die Wiener Breitegasse oder das "Gasthaus zur Muldentalsperre" auf - expandieren zu allgemeingültigen Erfahrungen.

Hexer Doig mischt giftige Farben zu halluzinatorischen Landschaften, die gegen intellektuelle Schlichtheit reiner Repräsentation resistent sind, und in ihrer verblüffenden Präsenz rauschhafte Seh-Trips verursachen.
Bis 30. September

(DER STANDARD, Print, 29.8.2001)

STANDARD-Mitarbeiteri n Brigitte Huck

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