Chiphersteller in der Krise

28. August 2001, 19:57
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Grund: PC-Verkaufsflaute, übervolle Lager und schnelle Produktzyklen

Wien - Die erfolgsverwöhnten Halbleiterhersteller spüren heuer erstmals Gegenwind. Nach 16 Jahren kontinuierlichem Wachstum wird heuer erstmals die Zahl der verkauften Chips zurückgehen. Analysten von Gartner Dataquest nehmen an, dass die weltweiten Stückverkäufe heuer um sieben Prozent und die Umsätze mit Halbleitern um neun Prozent zurückgehen werden.

Die Firmen reagieren mit Jobabbau, Verkäufen und Firmenzusammenlegungen: Die japanischen Elektronikkonzerne Hitachi und Toshiba wollen jeweils 20.000 Arbeitsplätze abbauen. Außerdem sucht Toshiba einen Käufer für seine Speicherchip-Sparte und hat diesbezüglich Kontakt mit Samsung und Infineon aufgenommen. Fujitsu und NEC haben ebenfalls angekündigt, in ihren Halbleitersparten Personal abzubauen. Motorola denkt darüber nach, aus der Produktion der kleinen Siliziumchips überhaupt auszusteigen.

Schwankungen

Der 204 Milliarden Dollar (224 Mrd. EURO, 2,807.10 S) schwere Markt für Halbleiter ist ausgesprochen volatil. Die Preise unterliegen starken Schwankungen. Da ist einerseits der starke, konjunkturell bedingte Nachfrageeinbruch bei Personalcomputern und anderen Hightechgeräten, vor allem in den USA, die nach Angaben der Semiconductor Industry Association (SIA) ein Drittel aller Speicher abnimmt.

Rascher Preisverfall

Der Preisverfall der letzten Monate war vor allem bei Speicherchips, so genannten DRAMs, zu beobachten, mit denen rund ein Viertel aller Verkäufe im Chipbereich getätigt werden.

Auch die schnellen Innovationszyklen, für die die Branche bekannt ist, führten zu rapidem Preisverfall. Kaum ist ein Chip eingeführt, wird schon die nächste, schnellere Variante angekündigt. Die bereits produzierten "Vorgänger" müssen verbilligt abgegeben werden. Exzessive Innovation beeinflusst die Verkäufe negativ, weiß man auch bei der SIA. Allerdings glaubt deren Präsident, George Scalise, dass schon im vierten Quartal wieder das gewohnten Wachstum verzeichnet werden wird.

Eine der spektakulärsten Innovationen der jüngsten Zeit kam aus dem Hause IBM. Dieses stellte einen Chip in Größe eines Moleküls vor, der in Zukunft schnellere Rechnerleistung bei geringerem Stromverbrauch aufweisen wird. (ruz, DER STANDARD; Printausgabe, 29. August 2001)

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