Verbund bleibt vorerst auf "Altlasten" sitzen

28. August 2001, 21:12
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Bartenstein verschiebt Entscheidung über gestrandete Milliarden auf 2002

Wien - Der börsenotierte Verbund muss seine Hoffnungen vorerst begraben, mittels Zuschlag auf den Strompreis Investitionen abgegolten zu bekommen, die durch die Liberalisierung des Elektrizitätsmarktes inzwischen unrentabel geworden sind.

Stranded Costs

Die Hoffnungen auf Anerkennung dieser so genannten Stranded Costs waren deshalb groß, weil die EU-Kommission erst Ende Juli die von Österreich angemeldeten 8,1 Mrd. S (588,6 Mio. EURO) an unrentabel gewordenen Investitionen gebilligt hatte. Der Verbund hatte 6,3 Mrd. S geltend gemacht, den Löwenanteil davon für das Kraftwerk Freudenau.

Gutachten

Ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young für Wirtschaftsminister Martin Bartenstein hat nun ergeben, dass der Verbund im Prinzip förderungswürdig wäre, unter anderem wegen der im Branchenvergleich hohen Verschuldung; allerdings könnten Auswirkungen auf die wirtschaftliche Befindlichkeit des Verbunds durch die geplante Wasserkraftehe mit dem deutschen Energiekonzern E.On derzeit noch nicht abgeschätzt werden.

Neues Gutachten

Bartenstein will in der zweiten Jahreshälfte 2002 neuerlich ein Gutachten einholen und in dieser Sache dann endgültig entscheiden. Auswirkungen auf den Verbund-E.ON-Deal sieht Bartenstein nicht: Der Verbund-Vorstand habe ihm versichert, dass die Gespräche mit E.ON ohne Erwartung einer Refundierung der Stranded Costs geführt worden seien.

Gemäß EU-Recht dürfen Stranded Costs nur dann abgegolten werden, wenn andernfalls die Lebensfähigkeit des betroffenen Unternehmens beeinträchtigt wäre.

Konsumenten zahlen für Stranded Costs verbrauchsabhängigen Aufschlag

Geltend gemacht werden können hingegen die 1,8 Mrd. S für das steirische Kohlekraftwerk Voitsberg. Zu zahlen haben die gestrandeten Investitionen die Stromkunden in Form eines verbrauchsabhängigen Aufschlags. Für die Weiterführung des unrentablen Kraftwerks Voitsberg wird bereits seit Februar 1999 ein Aufschlag von 0,57 Groschen je Kilowattstunde (kWh) einbehalten. Mit einer Verordnung, die Bartenstein am 19. September vom Hauptausschuss des Nationalrates beschließen lassen will, soll der Voitsberg-Groschen bis 2006 prolongiert werden. Ab 1. Oktober werden die Zuschläge für Voitsberg gemäß der Abnahme des jeweiligen Energieversorgers an Verbund-Strom verrechnet. In Westösterreich dürfte der Aufschlag kleiner, in Ostösterreich etwas größer werden. (stro, DER STANDARD, Printausgabe, 29. August 2001)

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Verbund
KOMMENTAR von Günther Strobl
Schlechter Dienst
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