Sofiensäle: Alte Pläne für ein neues Hotel

29. August 2001, 12:54
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Bürgerinitiative begann Mahnwache für Wiederaufbau

Wien - Die Bürgerinitiative "Rettet die Sofiensäle" weiß nur, was sie will: die "Sofie" retten. Über das Wie kann ihr Sprecher Viktor Zdrachal noch nichts sagen. Er will "den konkreten Ideen" von ihm und seinen Mitstreitern "ja auch nicht vorgreifen". Erster Schritt ist aber die Mobilisierung der Massen: Dienstagabend warb Zdrachal bei der Mahnwache vor der Ruine per Megafon um Unterschriften.

Die Diskussion um die Sinnhaftigkeit eines Wiederaufbaus findet aber längst auf breiter Basis statt: Architekten, Denkmalschutz- und Bauexperten, Politiker und Zurufer aus allen Lagern streiten. Mit steigender Vehemenz.

Während Dietmar Steiner, Leiter des Architekturzentrums Wien, mit dem Dahinschmelzen "des Charmes" der Sofiensäle wenig Grund sieht, die Ruine zu sanieren, gab sich Architekt Manfred Wehdorn Montagabend im ORF-Interview traurig, würde der Altbau(rest) planiert werden.

Schützenswerte Ruine?

Genau dies nennt Karl Pistotnik, Anwalt von Sofiensäle-Besitzer Julius Eberhardt, aber als "einzige sinnvolle" Variante: Das Denkmalamt könne keinen Wiederaufbau befehlen, sondern nur entscheiden, ob die Ruine schützenswert sei. Wie es nach der von ihm erwarteten Abrisserlaubnis weitergehen wird, will Pistotnik noch nicht sagen: "Eine Adaption des seinerzeitigen Hotelprojektes steht auf der Liste der Möglichkeiten eher an oberer Stelle", prinzipiell sei aber "alles möglich, was durch die Flächenwidmung gedeckt ist". "Feuer!", ruft hier Grünen-Klubobmann Christoph Chorherr: Auch wenn Brandstiftung auszuschließen ist, sei der Brand den Umbauinteressen der Liegenschaftsbesitzer zumindest nicht abträglich.

Abseits jeder Larmoyanz über das Ende der desolaten Halle sei es daher wichtig, "darauf zu achten, dass an diesem sensiblen Standort nicht auf die Schnelle ein 08/15-Hotelbau realisiert wird". Gefordert, so Chorherr, wären Stadtplanung und Baubehörde, die Vorgaben zu einer qualitätsvollen Nutzung des Bauplatzes definieren sollten. "Dass einzig der Denkmalschutz hier mitreden soll, zeigt, wie zahnlos die Instrumente der Planung in Wien sind."

Unterstützung für Wiederaufbau durch ICOMOS-Präsidenten

Unterstützung für die Bürgerinitiavtive "Rettet die Sofiensäle" kommt vom Präsidenten des ICOMOS ("International Council on Monuments and Sites", der UNESCO-Fachbeirat für Weltkulturerbe), Michael Petzet. In einem Fax an den Präsidenten des Bundesdenkmalamtes Wilhelm Rizzi schrieb Petzet laut einer Aussendung der Bürgerinitiative, dass "angesichts der mit diesem Baudenkmal verbundenen großen Tradition" eine "Rekonstruktion der zerstörten Teile erfolgen müsste."

Petzet habe diesbezüglich auf die "bevorstehende Eintragung des historischen Wiener Zentrums in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes" verwiesen, die u. a. "mit dem Weltruhm Wiens als Stadt der Musik begründet wird". Er hoffe, dass ein "Wiederaufbau der Sofiensäle nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten" durchgesetzt werde.

Die Bürgerinitiative führt zusätzlich eine weitere Zeugin an, die mehr als einen Arbeiter bei den Flämmarbeiten gesehen haben will. Mit einem Teilabriss der Sofiensäle würden "wichtige Spuren vernichtet", ist die Initiatvie überzeugt. (APA/DerStandard,Print-Ausgabe,29.8.2001,aw, rott)

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