Die Trauben, die Stimmung, die Simulation

28. August 2001, 17:57
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Baric und Team üben für Spanien

Illmitz - Beim Wein geben sie sich Mühe im Zentrum des Nationalparks. Die ersten Trauben sind geerntet und zum Primana verarbeitet, die anderen hängen noch schwer an den Stöcken. Ansonsten sind die Illmitzer nicht unbedingt auf Abwechslung aus, so haben sie das schöne Hotel ebenso "Nationalpark" genannt wie gleich daneben das Sportzentrum. Eine andere Möglichkeit wäre "Illmitz" gewesen, aber mei.

Vier 0:9ner noch dabei

Jedenfalls spielt es sich dieser Tage ordentlich ab auf dem Fußballplatz, die Tribüne ist regelmäßig zu einem Viertel besetzt. Freilich hat die Tribüne nur vier Reihen, gut hundert Menschen also sehen dem österreichischen Nationalteam beim Üben zu. Es übte gestern am Vormittag von 11 bis 12 Uhr und eine weitere Stunde ab 21 Uhr. Damit soll eine späte Spielzeit simuliert werden, schließlich erfolgt am Samstag der Anpfiff zum WM- Quali-Match gegen Spanien erst um 22 Uhr. Gespielt wird im "Alle-Neune-Stadion" zu Valencia, vom 0:9, das den Österreichern vor zwei Jahren passierte, sind freilich nur noch vier Kicker dabei (Wohlfahrt, Kogler, Neukirchner, Herzog).

Gruppengespräche

Die Fußballer sagen, sie können die Geschichte vom 0:9 "schon nicht mehr hören" (Michael Baur), die sei "Schnee von gestern, genauso wie das Tiroler 1:9 unter Happel gegen Real Madrid". Teamchef Otto Baric erinnert sich und die Mannschaft viel lieber an das 1:1 gegen Spanien zuletzt in Wien. "Diese Stimmung müssen wir bekommen, wir müssen an uns glauben." Baric und sein Assistent Dietmar Constantini führen weder Einzel- noch Vieraugengespräche, sondern "Acht- bis Zehnaugengespräche", soll heißen, Baric lässt die Spieler gruppenweise antanzen. Trainiert wird sowieso zu seiner Zufriedenheit. "Stimmung ist gut und ernst."

Punkteverwirrung

Baric sagt, dass er mit drei Punkten rechnet aus den Spielen in Spanien und am kommenden Mittwoch daheim gegen Bosnien-Herzegowina. Ein Sieg über Bosnien, da wären schon die drei Punkte. Doch womit rechnet Baric in Spanien? Mit einem Remis? Wie will er dann auf insgesamt drei Punkte kommen? Über die Aufstellung will der Teamchef nicht reden, damit "nicht taktisiert wird". Er will, dass "die Besten das Beste geben".

Einer der Guten ist Kapitän Andi Herzog. Den burgenländischen Wein kennt er "von dem Glaserl beim Abendessen", der sei ausgezeichnet. Über den spanischen Wein kann Herzog nicht viel sagen. Nur so viel: "Die Trauben hängen dort sehr hoch."

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 29.8. 2001)

Von Fritz Neumann
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