Bertelsmännern Grenzen setzen

30. August 2001, 16:14
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Ungarn: Verkauf von Zeitung oder TV

Budapest darf nicht Wien werden, mag sich die ungarische Medienbehörde ORTT gedacht haben: Sie entschied nun offiziell, dass der deutsche Medienriese Bertelsmann sich entweder von seiner Beteiligung an der überregionalen Tageszeitung "Nepszabadsag" oder jener am ungarischen Ableger von RTL trennen muss. Das ungarische Mediengesetz verbietet derlei "Cross Ownership" an mehreren Mediengattungen.

Zum Problem wurden die Beteiligungen seit Jahreswechsel, als Bertelsmann per Aktientausch die Mehrheit an der RTL Group übernahm, die 49 Prozent an RTL Klub in Ungarn hält. Denn Bertelsmann ist auch Mehrheitsgesellschafter des Verlagskonzerns Gruner+Jahr, dem 67,65 Prozent an "Nepszabadsag" gehören.

Bertelsmann hat nun 180 Tage Zeit, auf die Entscheidung der ORTT zu reagieren. Vorstandschef Thomas Middelhoff liefert - ohne konkrete Bezugnahme auf Ungarn - nur ein Indiz über das "Wie": "Tageszeitungen gehören weiterhin zum Stammgeschäft von Bertelsmann." Damit dürfte Middelhoff aber generell Spekulationen über einen Tausch der Zeitungsanteile von Gruner+Jahr (in Deutschland etwa "Financial Times Deutschland" und "Berliner Zeitung") gegen die RTL-Anteile der WAZ gemeint haben.

Österreich macht medialen Verschränkungen deutlich weniger Mühe: Hier kann die "Kurier"-Gruppe Teil des marktbeherrschenden Zeitungskonzerns Mediaprint sein und gleichzeitig maßgeblich beteiligt am marktbeherrschenden Magazinkonzern Verlagsgruppe News. Auch ein TV-Engagement wäre beiden Konzernen nicht verwehrt, im Radio sind sie bereits stark engagiert. (fid, Reuters/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 30. August 2001)

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