HOSI: 209- Befürworter stehen auf verlorenem Posten

28. August 2001, 16:18
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Nach "Sensationsurteil" wird Ruf nach Aufhebung des Paragraphen wieder laut

Wien - Die Verhängung einer diversionellen Maßnahme - einer Geldbusse - anstelle eines Strafprozesses samt Verurteilung in einem Paragraf 209-Fall ließ am Dienstag den Ruf nach Abschaffung des "Homosexuellen-Paragrafen" wieder laut werden. Das "Sensationsurteil" samt der Erläuterungen des Richters zeige einmal mehr, dass der "Schandparagraf" rasch ersatzlos aufgehoben werden müsse, meinten SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim sowie der Bundesvorsitzende der Initiative Sozialismus und Homosexualität (SoHo), Günter Tolar.

"Menschenrechtswidrige" Haltung

Jarolim und Tolar kritisierten in Aussendungen die strikt ablehnende Haltung des Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel (V) zur Streichung des Par. 209 Strafgesetzbuch, der homosexuelle Beziehungen mit unter 18-Jährigen unter Strafe stellt. Diese Haltung sei "menschenrechtswidrig" und "wissenschaftsfeindlich", meinte Jarolim, der sich an die Inquisition erinnert fühlt, "wenn freiwillige Liebesbeziehungen nur deswegen verboten sind, weil sie zwischen zwei Partnern des gleichen Geschlechts stattfinden".

"Unglaubliche Infamie"

Als "unglaubliche Infamie" bezeichnete es Tolar, dass Schüssel den Par. 209 mit Kinder- und Jugendschutz in Verbindung bringe. Schutz für Jugendliche beiderlei Geschlechts sei mit mehreren anderen Strafrechts-Paragrafen gewährleistet. Der Kanzler stehe "allein so stur gegen den Großteil Österreichs und gegen Westeuropa".

"Selbstbezichtigungsaktion"

Die Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien hat sich angesichts der jüngsten Urteile und Prozesse nach Par. 209 entschlossen, eine "Selbstbezichtigungsaktion" breit öffentlich zu lancieren. "Auch ich habe gegen Par. 209 verstoßen" sollen Homosexuelle, deren "Tat" verjährt ist, oder deren jugendlicher Partner nicht bekannt ist, aber auch Mütter, Väter, Schwestern oder "beste FreundInnen" bekennen. Letztere, weil sie, wenn sie z.B. dem Paar die Wohnung zur Verfügung stellen, als Mit- oder Beihilfetäter gegen Par. 209 verstoßen.

Sinn sei, so HOSI-Wien-Obmann Christian Högl in einer Aussendung, zu zeigen, dass Par. 209 Unrecht sei - und auch, den Mindestalter-Paragrafen lächerlich zu machen und ad absurdum zu führen, "damit auch die letzten Hardliner in der ÖVP und FPÖ sehen, dass sie auf verlorenem Posten stehen".

Als erste "Bekenner" haben sich Hermes Phettberg und die beiden HOSI-Wien-Aktivisten Kurt Krickler und Friedl Nussbaumer "geoutet". (APA)

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