Studie: Wer Mitarbeiter feuert, verdient mehr

28. August 2001, 20:35
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Manager, die 1000 Entlassungen ankündigten, verdienten laut Studie 80 Prozent mehr - Männer verdienen zehnmal soviel wie Frauen

Washington - Ungeachtet der lahmenden Konjunktur und zahlreicher Kündigungen in den USA durften sich viele Manager im vergangenen Jahr über kräftige Gehaltserhöhungen freuen: 2000 war "in eklatanter Weise" davon geprägt, dass die Geschäftsführungen großer Konzerne auf Kosten ihrer Beschäftigten reichlich Geld verdienten und für Kündigungen regelrecht belohnt wurden. Zu diesem Schluss kamen das Institut für Politikstudien und die Interessenvereinigung Vereint für eine gerechte Wirtschaft in einer Studie.

Manager, die kündigen, verdienen mehr

Bei einem Vergleich von Gehaltsstrukturen fanden sie heraus, dass die Geschäftsführer von 52 Konzernen, die in der ersten Jahreshälfte 2000 die Entlassung von mindestens 1.000 Beschäftigten ankündigten, durchschnittlich 80 Prozent mehr verdienten als ihre Kollegen von 365 Großunternehmen, die die Zeitschrift "Business Week" untersuchte. Die "Kündigungs-Spitzenreiter" erhielten demnach durchschnittlich 23,7 Millionen Dollar (26 Millionen Euro/358 Mill. S) pro Jahr - einschließlich Bonuszahlungen und Aktienoptionen -, während der Durchschnitt der 365 Topmanager insgesamt bei 13,1 Millionen Dollar (14,4 Millionen Euro) lag.

Höhere Gehaltszuwächse

Diejenigen, die viele Mitarbeiter entließen, erhielten im vergangenen Jahr eine Gehalts- und Bonuserhöhung von insgesamt fast 20 Prozent. Arbeiter mussten sich in den USA mit drei Prozent, Angestellte mit vier Prozent Erhöhung begnügen. Es sei besonders in einer Zeit wirtschaftlichen Abschwungs, in der viele Beschäftigte Angst um ihre Arbeitsplätze hätten, ärgerlich zu sehen, "wie sich die Kerle an der Spitze weich betten", erklärte Sarah Anderson, Direktorin des Programms für Weltwirtschaft am Washingtoner Institut für Politikstudien.

Männer verdienen das Zehnfache

Die Studie fand auch eine große Diskrepanz zwischen den Gehältern von Frauen und Männern: Die 30 höchstbezahlten Frauen in den Konzernen erhielten 2000 durchschnittlich 8,7 Millionen Dollar, die 30 bestbezahlten Männer 112,9 Millionen Dollar. Und auch bei den Lohnsteigerungsraten fanden die Autoren der Studie keine Gerechtigkeit: Wäre der gesetzliche Mindestlohn in den USA, der 1990 bei 3,80 Dollar pro Stunde lag, im selben Maß gestiegen wie die Gehälter der Spitzenkräfte, müsste er jetzt 25,50 Dollar betragen. Er liegt aber nur bei 5,15 Dollar. Gleichzeitig stieg die Zahl der Kündigungen. Am Donnerstag gab die US-Regierung bekannt, dass die Zahl der Arbeitslosen, die Hilfe vom Staat erhalten, ein Neunjahreshoch erreicht hat.

Topgehälter vertraulich

Inzwischen wird aber vermehrt Kritik an den Spitzengehältern laut. Beim Insolvenzverfahren des Fahrradherstellers Schwinn/GT baten dessen Anwälte den zuständigen Richter in Denver, die Einzelheiten eines Bonusplans für Topmanager und Geschäftsführung im Umfang von zwei Millionen Dollar vertraulich zu behandeln. Die Zahlungen sollten nach Angaben der Anwälte verhindern, dass hoch qualifizierte Mitarbeiter abwandern. Der Richter bezweifelte aber, dass der Plan den normalen Arbeitern und Angestellten gegenüber gerecht sei und weigerte sich, Stillschweigen zu bewahren. "Das sind ganz schön heftige Bonuszahlungen", sagte Richter Sidney Brooks und verweigerte fürs erste seine Zustimmung. (APA/AP)

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