Vorarlbergs SPÖ-Frauen fordern mehr Frauennotwohnungen

29. August 2001, 13:21
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An Opferschutzangebot und Öffentlichkeitsarbeit mangelt es im ländlichen Raum

Eine Frauennotwohnung, in der Frauen Schutz vor ihren gewalttätigen Männern finden, ist für Vorarlberg zu wenig, kritisieren die Sozialdemokratinnen. Sie fordern eine zweite Wohnung im Bezirk Bludenz.

47 Plätze wären erforderlich

Die bestehende Frauennotwohnung biete lediglich Platz für sieben Frauen, was nicht den internationalen Empfehlungen entspricht, kritisiert die sozialdemokratische Abgeordnete Elke Sader. Gebraucht würden laut Expertinnen des Europarates 47 Plätze. Eine zweite Frauennotwohnung sollte im Bezirk Bludenz eingerichtet werden. Elke Sader: "Für die Frauen aus dem Oberland ist die Entfernung zur Frauennotwohnung in Dornbirn zu groß."

Weil sich Gewalt an Frauen "nicht geographisch eingrenzen" lasse, müsse das Opferschutzangebot und die Öffentlichkeitsarbeit für den ländlichen Raum verbessert werden. Frauenvorsitzende Elke Giesinger: "Viele Frauen wissen ja gar nicht, wie sie sich gegen familiäre Gewalt wehren können."

Schutzeinrichtung für Kinder

In der einzigen Frauennotwohnung sieht man die Forderung der SP-Frauen differenziert. Sozialarbeiterin Gerda Rupp findet die Einrichtung eines Kinderschutzzentrums dringlicher, "denn es kommen immer mehr junge Mädchen zu uns, die Schutz vor gewalttätigen Eltern suchen."

Bedarf bestünde auch, so Rupp, an betreuten Durchgangswohnungen für Frauen, bis sich deren Lebenssituation nach einer Trennung oder Scheidung stabilisiert habe: "Die Preise am freien Wohnungsmarkt sind für diese Frauen viel zu hoch."

Mehr Schlichtungen als Verurteilungen

Jeder vierte Polizeieinsatz in Vorarlberg muss wegen familiärer Gewalt erfolgen. Im Vorjahr kam es zu 99 Wegweisungen gewalttätiger Männer und Väter, in 351 Fällen wurde der Streit geschlichtet. Während es in den eher städtischen Bezirken Bregenz und Bludenz öfter zu Wegweisungen und Betretungsverboten für Gewalttäter kommt, geht die Tendenz im "Oberland" eher zur Streitschlichtung.

Im Landesdurchschnitt, so Sader, ende nur jede fünfte Intervention auch mit einer Maßnahme. Die logische Konsequenz für die SPÖ-Frauen: "Wir brauchen mehr Frauen bei der Gendarmerie und in der Justiz." Auf "geschlechtsspezifische Gewalt" müsse die Politik, so Sader, "mit geschlechtsspezifischen Maßnahmen antworten". (red)

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