Türkische Regierungspartei lehnt Sprachfreiheit für Kurden ab

28. August 2001, 14:11
posten

MHP fordert stattdessen Stärkung des Türkischen

Istanbul - Die rechtsgerichtete türkische Regierungspartei MHP lehnt die Forderung der EU nach Sprachfreiheit für die Kurden ab und verlangt stattdessen eine stärkere Rolle der türkischen Sprache im Land. Die Anforderungen der Europäischen Union in diesem Bereich würden der "kulturellen Spaltung" der Türkei Tür und Tor öffnen, sagte der MHP-Abgeordnete Müjdat Kayayerli der angesehenen Tageszeitung "Cumhuriyet" vom Dienstag. Das Kurdische könne in der Türkei allenfalls als Dialekt gelten.

Dem Zeitungsbericht zufolge arbeitet die MHP an einem Gesetzentwurf, mit dem der Türkisch-Unterricht insbesondere im Kurdengebiet und in anderen von Minderheiten bewohnten Regionen verstärkt werden soll. Zudem soll die Rolle des Türkischen im Alltag gestärkt werden. Unter anderem sei vorgesehen, auch Straßennamen zu "türkisieren".

Bisher ist die Benutzung des Kurdischen in der Türkei im privaten Bereich erlaubt. Auch gibt es kurdische Zeitungen und Zeitschriften. Kurdischsprachige Fernsehsender und kurdischer Sprachunterricht sind allerdings verboten. Die Forderung nach völliger Sprachfreiheit für die Kurden ist eine der Bedingungen der EU an die Beitrittskandidatin Türkei. Mitte September soll das Parlament in Ankara in einer Sondersitzung über ein Paket von Verfassungsänderungen beraten, mit dem die Annäherung des Landes an die EU beschleunigt werden soll. Zu dem Paket, das von einer parteienübergreifenden Kommission erarbeitet wurde, gehört nach derzeitigem Stand auch die Sprachfreiheit für die Kurden. Nach der Vorstellung des MHP-Gesetzentwurfes zu diesem Thema ist die Zustimmung der rechtsgerichteten Partei zu dieser Verfassungsänderung aber fragwürdig geworden. (APA)

Share if you care.