Schluss mit lustig

14. März 2002, 11:38
2 Postings

Jetzt ist das bald vorbei. Halleluja, Hosanna in der Höhe!

Die Zeit nämlich, in der man jedes einigermaßen brauchbare Lokal vergessen konnte, und die großartigen erst recht, und sogar jene, die nicht unbedingt den ersten beiden Kategorien zugerechnet werden müssen. Denn irgendwann jetzt ist endlich Schluss mit Weihnachtsfeiern, Schluss mit der Tatsache, dass Tische zusammengerückt, lauthals gejohlt, hemmungslos angebaggert und vor allem jegliche Abläufe jenseits dieser Gesellschaften paralysiert werden.

Früher fanden diese Weihnachtsfeiern ja primär in Lokalen statt, die über Extrazimmer verfügen, und da konnte man dann die Türe zumachen und musste weder akustisch noch optisch mitbekommen, wie der Herr Verkaufsleiter der Chefsekretärin unter Gejohle der gesamten Belegschaft an die Brust fasste. Das Selbstbewusstsein der Weihnachtsfeierer stieg jedoch, oder vielleicht auch die Not der Wirten, wer weiß, jedenfalls finden diese Gelage mittlerweile fast immer mitten im normalen Betrieb statt, wobei von normalem Betrieb spätestens dann ohnehin nicht mehr gesprochen werden kann, wenn die mit Punsch und Glühbier zugedröhnten Frohnaturen die Mehrheit übernommen haben und man sich als ganz einfach Essen-wollender schon als Randfigur vorkommt.

Was bei Weihnachtsfeiern noch mehr zu Tage tritt als sonst, ist die Unfähigkeit vieler, Gast zu sein: Beflügelt von der legalen Droge Alkohol, mit dem dringenden Wunsch, der weiblichen Kollegenschaft mal zu zeigen, was ein richtiges Alpha-Männchen in freier Wildbahn so drauf hat, und darüberhinaus von Gruppendynamik, Peer-Pressure und Revierverhalten zu sozialen Höchstleistungen getrieben, führen sich nämlich die Herren Abteilungsleiter, Chef-Prokuristen oder sonstige Halbwichtige innerhalb der Firmenhierarchie dem Servier-Personal gegenüber auf, dass einem eigentlich nur schlecht werden kann. Und das Schlimmste dabei: Der Weihnachtsfeier-Terror fängt nun schon mit Beginn des Dezembers an, wahrscheinlich, um im Falle von überraschend eintretenden Schwangerschaften noch Weihnachtsgeschenke mit Schweigegeld-Charakter anschaffen zu können. Solch graue Gedanken kommen einem jedenfalls, wenn man da sitzt, nichts zu essen und zu trinken bekommt, weil wegen dem Haufen von besoffenen Firmen-Fuzzis alles lahm liegt, und man sich mit knurrendem Magen dann auch noch das Schauspiel stümperhafter Annäherungsversuche geben muss. Aber das ist zum Glück jetzt ja sehr bald vorbei. Und leider kommt es sehr bald wieder, wenn nämlich die Firmen-Faschingsfeiern einsetzen.

Von
Florian Holzer
Share if you care.