Österreichs Banken verdienen weniger

28. August 2001, 20:26
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Konjunkturdelle zwingt zu Wertberichtigungen - Ergebnisse minus um 10,1 Prozent

Wien - Die Ertragslage der in Österreich tätigen Kreditinstitute hat sich im ersten Halbjahr 2001 merklich eingetrübt. Die Österreichische Nationalbank (OeNB) errechnete, dass das Betriebsergebnis mit 2,04 Mrd. Euro (28,1 Mrd. S) um 10,1 Prozent unter dem Wert der Vorjahresperiode von 2,27 Mrd. Euro lag. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnen die Kreditinstitute mit einem Betriebsergebnis von 3,84 Mrd. Euro. Das entspricht einem Rückgang von 8,6 Prozent verglichen mit dem Vorjahreswert von 4,20 Mrd. Euro.

Hohe Wertberichtigungen werden 2001 wirksam

Die OeNB rechnet auf Grund der Konjunkturdelle im In- und Ausland und wegen namhafter Konkurse mit einer negativen Auswirkung auf die Bewertung von Krediten. Der Wertberichtigungsbedarf in diesem Bereich wird mit 1,69 (Vorjahr: 1,41) Mrd. Euro um 19,9 Prozent höher angesetzt. Bei Wertpapieren und Beteiligungen wird erwartet, dass mehr Wertberichtigungen aufgelöst als gebildet werden. Daher sieht die OeNB einen "sehr hohen" Saldo von 630 (90) Mill. Euro, der im Jahr 2001 ertragswirksam wird.

Außerordentlicher Aufwand bringt Drehung ins Plus

Zusammen mit einem geringeren als bisher erwarteten außerordentlichen Aufwand sieht die OeNB trotz des höheren Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich ein Ansteigen des erwarteten Jahresüberschusses der Kreditinstitute um 2,0 Prozent auf 2,25 (2,21) Mrd. Euro.

Rückgang beim Wertpapiergeschäft

Die Erträge aus dem Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft betrugen 780 Mill. Euro und reduzierten sich verglichen mit der Vorjahresperiode um 3,9 Prozent. Laut OeNB konnte bei den Erträgen aus Aktien und Anteilsrechten und nicht festverzinslichen Wertpapieren eine Zunahme erzielt werden, der jedoch ein Rückgang bei den Erträgen aus Anteilen aus verbundenen Unternehmen gegenüber stand.

Nachdem der Saldo aus dem Provisionsgeschäft in den letzten Jahren stets angestiegen war, beobachtete die OeNB im ersten Halbjahr 2001 erstmals wieder einen geringfügigen Rückgang um 0,7 Prozent auf 1,57 Mrd. Euro. Während beim Zahlungsverkehr, dem Kreditgeschäft und dem Devisen-, Sorten-, und dem Edelmetallgeschäft höhere Provisionserträge erzielt wurden, hat "das derzeitig sehr unübersichtliche Börsenumfeld" zu einem deutlichen Rückgang beim Wertpapiergeschäft geführt. Auch bei den Provisionserträgen aus dem Dienstleistungsgeschäft kam es zu einer rückläufigen Entwicklung.

Verwaltungsausgaben plus 6,5 Prozent

Auf der Aufwandsseite stiegen die Verwaltungsaufwendungen um "beachtliche" 6,5 Prozent auf 3,81 Mrd. Euro an. Da sich die Personalaufwendungen nur um 4,8 Prozent auf 2,29 Mrd. Euro erhöhten, sank die Relation der Personalaufwendungen zu den gesamten Betriebsaufwendungen um 0,7 Prozentpunkte auf 50,3 Prozent. Beim Sachaufwand erhöhte ein kräftiges Plus von 9,4 Prozent auf 1,51 Mrd. Euro das Verhältnis zu den gesamten Betriebsaufwendungen um 0,9 Prozentpunkte auf 33,1 Prozent. (APA)

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