Osttimor steht vor den ersten Wahlen

28. August 2001, 13:28
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Nach langer Leidensgeschichte zieht in dem jungen Staat die Demokratie ein

Dili/Wien - Der Frieden, der derzeit in Osttimor herrscht, steht im Kontrast zu der blutigen Geschichte des Landes während des letzten Vierteljahrhunderts. Osttimor, eine ehemalige portugiesische Kolonie, wurde 1975 kurz nach der Unabhängigkeitserklärung von Indonesien überfallen und ein jahr später ohne völkerrechtliche Wirksamkeit annektiert. Während der folgenden Befreiungskämpfe haben in 24 Jahren mehr als 100.000 Menschen ihr Leben verloren.

Selbstbestimmungsreferendum

Der Beginn des Endes der Leidensgeschichte Osttimors war das von der UNO organisierte Selbstbestimmungsreferendum am 30. August 1999, in dem sich eine überwältigende Mehrheit für die Unabhängigkeit aussprach. Doch bedeutete das Referendum nicht ein Ende der Unterdrückung. Pro-indonesische Gruppierungen, gesteuert von der indonesischen Besatzungsarmee, initiierten eine Terrorkampagne. Mehr als 2000 Timoresen wurden während der folgenden Ausschreitungen getötet. Nach dem Pogrom konnte die "United Nations Transnational Administration in East Timor" (UNTAET) etabliert werden.

Am 30. August 2001 wird Osttimor in den ersten demokratischen Wahlen eine Verfassunggebende Versammlung wählen, die zugleich das erste Parlament des jungen Staates sein wird. Sechzehn Parteien und unzählige unabhängige Kandidaten haben ein nationales Abkommen unterzeichnet, das korrektes politisches Verhalten während der Wahlen und danach festschreiben soll. Seit Oktober 1999 haben die UNO-Blauhelme erfolgreich jede militärische Bedrohung beseitigt und der Nation ein Gefühl von Sicherheit gegeben, heißt es in einer UNO-Aussendung.

Langwierige Registrierung

In einem dreimonatigen Projekt wurde die gesamte Bevölkerung für die Wahlen registriert. Nach den Wahlen soll eine Übergangsregierung im September die Amtsgeschäfte aufnehmen. Im nächsten Jahr sollen Präsidentenwahlen abgehalten werden, bei denen Jose Alexandre "Xanana" Gusmao, der Führer der Unabhängigkeitsbewegung und "osttimoresische Nelson Mandela", der aussichtsreichste Kandidat ist.

Die "Fretilin" (Frente Revolucionaria de Timor Leste Independiente), die am 28. November 1975 die Unabhängigkeit Osttimors ausgerufen hatte, rechnet bei den Wahlen mit einer großen Mehrheit. Sie hat nach eigenen Angaben 270.000 Mitglieder, ein Drittel der Bevölkerung.

"Öl und Gas Bonanza"

Die Unterzeichnung eines Vertrages zwischen Osttimor und Australien im Juli dieses Jahres, der die Aufteilung der Einnahmen aus den Öl- und Gasvorhaben in der Timor-See regelt, ist eine große Leistung der UNO-Verwaltung. Der Vertrag sieht vor, dass Osttimor 90 Prozent der Einnahmen aus der Förderung erhält. Dieser Vertrag ersetzt einen älteren Vertrag zwischen Australien und Indonesien, welcher die Einnahmen zu gleichen Teilen aufgeteilt hat. Dieses "Öl und Gas Bonanza", das zwischen 4 und 5 Milliarden Dollar in den nächsten 20 Jahren einbringen wird, kann genutzt werden, um die verarmte Region nachhaltig zu entwickeln. (APA)

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