Deutsch-österreichische Suche nach Raubkunst

28. August 2001, 13:16
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Internet-Datenbank enthält auch Kulturgüter eines österreichischen Museums

Graz - Erstmals beinhaltet die in Deutschland bereits renommierte Internet-Datenbank www.lostart.de der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg (BRD) auch Kulturgüter eines österreichischen Museums. Das Steiermärkische Landesmuseum Joanneum in Graz hat die Daten über 54 Fremdbesitz-Objekte, das heißt Kunstwerke, die Provenienzlücken aufweisen und damit möglicherweise in der NS-Zeit ihren Besitzern widerrechtlich entwendet oder abgepreßt worden sein könnten, nach Magdeburg übermittelt. Seit Beginn dieser Woche ist der "Katalog" im Internet abrufbar.

Fund-und Suchliste

Die deutsche Internet-Datenbank der Koordinierungsstelle für Kulturverluste präsentierte bisher kriegsbedingt verbrachte Kulturgüter von deutschen öffentlichen Einrichtungen und Privatleuten. Weiterhin bietet die Datenbank die Möglichkeit, "NS-verfolgungsbedingt entzogenes" Kulturgut zu erfassen. Sie enthält einerseits eine Fundliste von Objekten, die durch Recherchen deutscher Einrichtungen wie etwa Museen in ihren Beständen aufgefunden wurden und werden. Andererseits können auch betroffene Personen und deren Nachfolger die von ihnen vermissten Objekte suchen lassen. Während in der Fundliste bisher nur Meldungen deutscher öffentlicher Einrichtungen erfasst wurden, ist mit dem Landesmuseum Joanneum nun erstmals auch ein österreichisches Museum mit seinem Katalog an bedenklichen Sammlungsobjekten vertreten.

Der Katalog geht auf den so genannten "Raubkunstbericht" des am Landesmuseum selbst angesiedelten Arbeitskreis zum Thema "Erwerbungen und Rückstellungen aus Jüdischem Besitz 1938-1955" zurück. Von den 17 Sammlungsreferaten sind im Wesentlichen drei von der Thematik betroffen: Die kulturhistorische Sammlung, Neue Galerie und Alte Galerie. Zu Beginn dieses Jahres stellte das Landesmuseum die Objekte, deren Provenienz nicht geklärt ist bzw. die über nationalsozialistische Organisationen ins Haus gelangten, auf seiner eigenen Homepage ins Internet. Unter den Kunstwerken befinden sich Zeichnungen, Malereien und Druckgrafiken, Plastiken sowie Gebrauchsgegenstände.

Transparenz

Die Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste ist eine von Ländern und Bund der BRD finanzierte Organisationseinheit im Geschäftsbereich des Kultusministeriums des Landes Sachsen-Anhalt und hat ihren Sitz in der Landeshauptstadt Magdeburg. Ziel der Institution ist eine größere Transparenz, um die Chancen zur Identifizierung und Restitution der Objekte mit Provenienzlücken zu erhöhen.

(APA)

Die Koordinierungsstelle findet sich unter www.lostart.de. Die in Graz befindlichen Objekte können direkt abgerufen werden.
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