Heimische Werbewirtschaft beklagt Standortnachteile

28. August 2001, 16:38
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Werbeabgabe als Wettbewerbsnachteil - Kostenwelle durch höhere Tarife der Post

Wien - Schlechte Aussichten für die heimische Werbewirtschaft hat Josef Leitner, Geschäftsführer von Focus Media Research, prognostiziert. In Zeiten der international spürbaren Werbeflaute machten sich österreichische Standortnachteile verstärkt bemerkbar, erklärte er bei einer Pressekonferenz des Fachverbands Werbung und Marktkommunikation in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Grund genug für Fachverbandsvorsteher Walter Ruttinger, wieder vehement für eine Abschaffung der Werbeabgabe einzutreten. Auch die neuen Posttarife für den Zeitungsversand werden von den Werbern in der WKÖ strikt abgelehnt.

Heimische Werbung im Tief

"Die österreichische Werbung schlittert langsam in ein Tief", umriss Leitner den Negativ-Trend. Nach nüchternen Zahlen besehen schlägt sich heuer dieses Tief in einem Wachstum von lediglich 4,8 Prozent nieder, hat man bei Focus hochgerechnet - nach Zuwachsraten von 8,4 Prozent im Vorjahr. Man müsse die Frage stellen, ob die österreichische Kommunikationswirtschaft im internationalen Vergleich konkurrenzfähig sei, so Leitner. "Momentan sieht das eher nicht so aus. Und die Rahmenbedingungen wenden sich eher zum schlechteren für den österreichischen Kommunikationsstandort."

Werbeabgabe ist Wettbewerbsnachteil

Ruttinger bläst daher wieder lautstark zum Angriff auf die fünfprozentige Werbeabgabe, die einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil darstelle. Sie belaste die Auftraggeber mit insgesamt 1,2 Mrd. Schilling (87,2 Mill. Euro) pro Jahr. "Das schmälert die Etats und den Werbedruck. Das ist nach wie vor die schädlichste Steuer der Welt." Bis 2003 solle die Abgabe abgeschafft werden, so der angepeilte Fahrplan des Fachverbands. Ein noch nicht näher erläuterter "Aktionsplan" soll im Vorfeld der Werbewirtschaftlichen Tagung (WWT), die am 6. und 7. September in Villach stattfindet, beschlossen werden.

Posttarife bringen Kostenwelle

Noch lauter allerdings schrillen derzeit die Alarmglocken in der Wirtschaftskammer angesichts der umstrittenen neuen Posttarife für die Zeitungszustellung. "Wir sind gegen die Posttarif-Explosion", so Ruttinger. Rollt auf die Zeitungen eine Kostenwelle zu, könnten nämlich die Anzeigentarife steigen - und das wäre ganz und gar nicht im Sinne der Werber.

Ruttinger wiederholte weiters die Forderung der Werbewirtschaft nach einer Einbindung in die neuen ORF-Gremien. Man habe einen Dreiervorschlag für den Publikumsrat abgegeben (mit Ruttinger selbst an der Spitze), was von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F) begrüßt worden sei, erklärte er. (APA)

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