Korac: Hinter DOS-Krise stecken Reste des Milosevic-Regimes

28. August 2001, 19:54
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Serbischer Vizepremier: "Erster Versuch des Gegenschlags"

Belgrad - Hinter der seit Monatsbeginn herrschenden Krise der regierenden Demokratischen Opposition Serbiens (DOS) würden "Überreste" des Regimes des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic stecken. Diese Ansicht äußerte der serbische Vizeministerpräsident Zarko Korac in einem Interview in der neuesten Ausgabe der Wochenzeitschrift "Ekonomist". Korac sprach von einem "organisierten Versuch von Überresten der alten Machtstrukturen, der Geheimpolizei, der Polizei und dem Militär, sich hinter (Präsident) Kostunica zu verbergen und ihre Auslieferung an (das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen) Den Haag zu verhindern."

Das, was vor sich gehe, sei vielmehr als ein Konflikt zwischen Reformern und Reformgegnern. "Es ist ein erster Versuch des Gegenschlags jener Kräfte, die sich vor der Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal fürchten", betonte Korac. Nach der Entdeckung von Massengräbern und Leichen in Serbien stelle sich die "logische Frage", wer die Schuldigen seien.

"Nicht an der Zeit, Massengräber zu öffnen"

Von Teilen der Demokratischen Partei Serbiens (DSS) werde indes gewarnt, dass es nicht an der Zeit sei, die Massengräber zu öffnen. Dies werde damit begründet, dass weder Kroaten noch Moslems dies getan hätten, was aber nicht stimme. Man behaupte zudem, dass dies nicht gut für das Land sei, was allerdings diejenigen ermutige, die Angst vor der Verantwortung hätten, betonte Korac.

Die DSS und ihr Vorsitzender, der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica, hatten in den letzten Tagen vor allem das Innenministerium der Korruption beschuldigt und der Regierung mangelnde Ergebnisse im Kampf gegen die organisierte Kriminalität vorgeworfen. Korac wies die Vorwürfe zurück. In keinem einzigen Land seien Polizei und Staatsanwaltschaft zur Gänze korrupt, so der Vizepremier.

Die DOS-Führung kommt am Dienstagabend zu einem Treffen zusammen, bei dem ein Ausweg aus der seit Wochen anhaltenden Krise gesucht werden soll. (APA)

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