Flüchtlingsdrama vor Australien verschärft sich durch Militäreinsatz

29. August 2001, 09:56
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Lage an Bord des norwegischen Frachters kritisch - Streit um Verantwortung dauert an

Oslo/Sydney - Der Konflikt zwischen Australien, Norwegen und Indonesien um 438 überwiegend afghanische Flüchtlinge hat sich durch die Entsendung von australischen Militäreinheiten verschärft. Wie das norwegische Außenministerium in Oslo mitteilte, wurden in der Nacht 15 schwer bewaffnete Soldaten auf den norwegischen Frachter "Tampa" entsandt, der zuvor ohne Genehmigung der Regierung in Canberra Kurs auf die zu Australien gehörenden Weihnachtsinseln im Indischen Ozean genommen hatte. Die Aktion entspreche dem Willen der Regierung, das Schiff daran zu hindern, in Australien anzulegen, sagte Premierminister John Howard in Canberra.

Die "Tampa" lag laut Howard etwa fünf Meilen vor der Insel rund 1500 Kilometer vom australischen Festland und 350 Kilometer von Indonesien entfernt, als die Eliteeinheiten an Bord gingen. Das Schiff hatte die Flüchtlinge Anfang der Woche von deren sinkendem Boot aus Seenot gerettet. Weder Australien noch das näher gelegene Indonesien wollen die Flüchtlinge aufnehmen. Norwegens Außenminister Thorbjörn Jagland hatte die Haltung Australiens als inhuman und als Verletzung völkerrechtlicher Regeln kritisiert. Nach Angaben des Kapitäns auf der "Tampa" sind die Flüchtlinge in einem Hungerstreik.

Kapitän bat um ärztliche Hilfe

Ein Sprecher der Reederei der "Tampa", Wallenius Wilhelmsen, sagte, Kapitän Arne Rinnan habe wegen des Gesundheitszustandes einiger der von seiner Besatzung aus Seenot geborgenen Flüchtlinge einen Notruf abgesetzt. Mindestens sechs Personen seien sehr schwer erkrankt, sie wären auf dem Frachter fast ungeschützt der tropischen Sonne ausgesetzt. Zudem würden viele nicht nur Nahrung verweigern, sondern hätten auch gedroht, eher ins Meer zu springen, als sich nach Indonesien zurückbringen zu lassen. Die "Tampa" hatte sie von einer sinkenden indonesischen Fähre geborgen, die sie auf die Weihnachtsinsel bringen sollte.

Eine Sprecherin des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR), Millicent Mutuli, rief Australien, Indonesien und Norwegen auf, zu einer humanen Lösung zu kommen. (APA/dpa)

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