Kontrollierter Wettbewerb bei "Öffis" kann Milliarden sparen

28. August 2001, 19:48
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VCÖ: Behörden und Politiker sollen rechtzeitig die Ausschreibungskriterien definieren

Wien - Der von der EU-Kommission geplante Wettbewerb im öffentlichen Verkehr kann gleichzeitig Kosten senken und die Qualität erhöhen. Wie Wolfgang Rauh, Leiter des VCÖ-Forschungsinstitutes erklärte, seien nun die Politiker gefordert, die Weichen richtig zu stellen. Dann wäre eine Einsparung von rund acht Mrd. S (581 Mill. Euro) möglich, bis zu 19.000 neue Arbeitsplätze könnten geschaffen werden.

Nicht Billigstbieter soll zum Zug kommen

Im Jahr 2003 soll auf Vorschlag der EU-Kommission der Markt im öffentlichen Personenverkehr freigegeben werden, so Rauh. Nach einer dreijährigen Übergangsfrist werde der freie Wettbewerb ab 2006 auch in Österreich Realität sein. Die verantwortlichen Behörden und Politiker sollten daher rechtzeitig die Ausschreibungskriterien genau definieren, forderte der VCÖ. Es dürfe nicht der Billigstbieter zum Zuge kommen. Der Bestbieter, der auch die nötige Qualität bringen kann, müsste jeweils den Zuschlag erhalten.

Chancen und Risiken der Liberalisierung

Die Liberalisierung sei eine große Chance, bringe aber auch Gefahren, erklärte Rauh. Als positives Beispiel nannte er die Stadt Helsingborg in Schweden. Schon 1990 seien die Linien im Busverkehr ausgeschrieben worden. Der Erfolg: Der Kostendeckungsgrad sei von 33 Prozent auf über 80 Prozent gestiegen, bei einer Zunahme der Fahrgäste um jährlich vier Prozent.

Busverkehr in London: abschreckend

Abschreckend sei hingegen des Beispiel des Busverkehrs außerhalb Londons, so der VCÖ-Sprecher. Durch unkontrollierten Wettbewerb sei seit 1985 die Zahl der Fahrgäste um ein Drittel gesunken, die Fahrpreise wären um 27 Prozent gestiegen. Linien könnten ohne weitere Kontrolle einfach aufgelassen werden.

Subventionen

Von den derzeitigen Subventionen von rund 26 Mrd. S pro Jahr ließen sich durch günstigere Anbieter rund acht Mrd. S einsparen, errechnete Rauh. Diese Summe dürfe aber nicht zum Stopfen von Budgetlöchern verwendet werden. Das Geld müsse in mehr Qualität und ein größeres Angebot im öffentlichen Verkehr investiert werden. Dadurch wäre es möglich, die zurückgelegten Kilometer pro Fahrgast um rund 27 Prozent zu steigern. Die Folge wäre ein Zuwachs von etwa 19.000 Arbeitsplätzen, 12.000 davon direkt im öffentlichen Verkehr.

Investitionen bringen Einsparungen

Diese Investitionen in ein besseres Angebot würden laut VCÖ weitere Einsparungen mit sich bringen. Die Senkung von Unfall-, Stau- und Parkplatzsuchkosten sowie die geringere Belastung der Haushalte könnten fast 24 Mrd. S Ersparnis bedeuten, hieß es. (APA)

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