ÖGB-Kritik aus den eigenen Reihen

28. August 2001, 15:32
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Vorarlberger Vorsitzender: "Völlige Abgehobenheit einiger Funktionäre" - Vbg.-SP-Klubobmann: "Geschminkte Leiche"

Bregenz - Überaus scharfe Kritik auch aus den eigenen Reihen muss sich die ÖGB-Führung gefallen lassen. "Der ÖGB gleicht einer geschminkten Leiche", formulierte der SPÖ-Klubobmann im Landtag, Günther Keckeis. Der Vorarlberger ÖGB-Vorsitzende Norbert Loacker (SPÖ) ärgert sich über die "völlige Abgehobenheit einiger Funktionäre". Er mahnte zu einer raschen ÖGB-Reform.

"Mir kommt manchmal vor, als ob der ÖGB nicht mehr von dieser Welt wäre", begründete SPÖ-Klubobmann Keckeis seinen drastischen Vergleich mit der "geschminkten Leiche". Es sei "ein bisserl wenig, was die Herren Nürnberger und Verzetnitsch derzeit bieten. Die erkennen die Krise nicht, in der sie sich befinden."

Der Vorarlberger ÖGB-Vorsitzende Loacker wollte ÖGB-Präsident Verzetnitsch nicht persönlich für die Krise verantwortlich machen. Dieser bemühe sich seit langem um die überfällige ÖGB-Reform. "Er ist in einer schwierigen Situation, mit 13 autonomen Gewerkschaften, die machen können, was sie wollen." Im Rahmen der Reform müsse man "Aufgaben und Kompetenzen neu ordnen, erst dann sind Veränderungen möglich. Und dass es Veränderungen geben muss, ist keine Frage."

Gedächtnislücken

Scharfe Kritik übte Loacker an ÖGB-Vizepräsidentin Renate Csörgits. Die habe "über Nacht" 17.000 Schilling mehr an Einkommen angeben müssen und sich danach damit gerechtfertigt, dass sie nur eine ungefähre Zahl genannt habe. Loacker: "Wenn die nicht weiß, wieviel sie bekommt, dann verdient sie um diese 17.000 Schilling zuviel. Da müssen einfache Gewerkschaftsmitglieder einen Monat dafür arbeiten."

Csörgits Vertretung von ÖGB-Präsident Verzetnitsch sei "eine einzige Katastrophe" gewesen, so Loacker. "Dieses Auftreten trifft die Mitglieder sehr. So kann man 1,5 Millionen ÖGB-Mitglieder vergraulen."

Csörgits: "Im ersten Moment schlecht reagiert"

Vorsitzende der Gewerkschaft öffentlicher Dienst (GÖD), Fritz Neugebauer, beharrte bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch auf seinen Angaben, "in etwa" 60.000 Schilling netto zu verdienen. Dies seien die Angaben, die ihm sein Steuerberater gemacht habe. Berichte, wonach er auch als Vorsitzender der Beamtenversicherung ein Einkommen beziehe, seien falsch.

ÖGB-Frauenchefin Renate Csörgits, die zuletzt durch stark divergierende Gehaltsangaben für Aufsehen gesorgt hatte, gestand unterdessen gegenüber Journalisten ein, "im ersten Moment schlecht reagiert zu haben". Allerdings wisse sie noch immer nicht endgültig, wie ihr Netto-Verdienst genau aussehe, übe sie die Funktion einer Nationalratsabgeordneten doch erst seit kurzem aus. Csörgits hatte ursprünglich gemeint, aus diesem Posten nur 20.000 Schilling netto zu erhalten. Am Montag revidierte sie die Zahl auf 37.000 Schilling und meinte, sie habe die ursprüngliche Zahl nur "in etwa" angegeben.

ÖGB-Chef Verzetnitsch sprach in diesem Zusammenhang von einer vielleicht "unglücklichen Darstellung". Csörgits habe am Montag aber alles klar gestellt. Nur eine ausweichende Stellungnahme dazu war dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Privatangestellten, Hans Sallmutter, zu entlocken: "Das kommentiert man als Präsidiums-Kollege nicht". (APA)

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