Rauer Wind bläst Wienerberger ins Gesicht

28. August 2001, 19:49
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Einbrüche im ersten Halbjahr - Auch ein Werk in Österreich wird geschlossen

Wien - Hart wie Beton spürt Wienerberger, weltweit Marktführer bei Mauerziegeln, derzeit die Realität der Baukonjunkturflaute: Die Nachfrage nach Baustoffen ist schwach, die Umsätze gingen im ersten Halbjahr 2001 zurück, die Auslastung der Werke ist unbefriedigend, die Kosten - vor allem jene für Energie - steigen hingegen.

Schließungen

Eine Konsequenz daraus sind Werksschließungen: Vier bis fünf Werke in Deutschland werden "aus dem Markt genommen", auch eines der neun österreichischen Ziegelwerke steht in Diskussion. Welches geschlossen werden soll, wollte das neue Vorstandsquartett unter dem Vorsitz von Wolfgang Reithofer am Dienstag bei der Präsentation der Halbjahresbilanz nicht bekannt geben.

Wachstum bei Baustoffen

Von Jänner bis Juni 2001 schaffte die in mehr als zwei Dutzend Ländern weltweit tätige Wienerberger-Gruppe einen Umsatz von 746,4 Mio. EURO (10,27 Mrd. S), um elf Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2000. Damals war aber noch die mittlerweile verkaufte Metallurgie-Sparte Treibacher enthalten. Bei Baustoffen - Ziegel, Dächer, Rohre - wuchs Wienerberger um ein Prozent, wobei die zugekauften Aktivitäten in Nordeuropa erstmals inkludiert sind. "Bereinigt" kommt die Gruppe auf ein Umsatzminus im Kerngeschäft von drei Prozent.

Keine rote Zahlen für 2001 erwartet

Das Betriebsergebnis (Ebit) sank im ersten Halbjahr um 76 Prozent auf 32,1 Mio. EURO. Bereinigt um die Gewinne aus den Verkäufen von Wiekor und Wipark im Vorjahr beträgt das Minus noch 61 Prozent. Für das "Übergangsjahr 2001" erwartet Reithofer "deutliche" Rückgänge beim Ergebnis, aber keine roten Zahlen.

Trostloser Zustand in Westeuropa

Die Rückgänge seien vor allem auf den "trostlosen Zustand" in Westeuropa, vor allem in Deutschland, zurückzuführen, berichtete der verantwortliche Neovorstand Johann Windisch. Die dortige Krise der Bauwirtschaft habe sich auch auf benachbarte Märkte wie die Niederlande und Belgien ausgewirkt. Als positive Ausnahme für Europa wurde Italien angeführt.

Osteuropa entwickle sich hingegen gut, sei mittlerweile der "Heimmarkt" für Wienerberger, so Reithofer. Rückläufig sei nur Polen. In den USA sehe man derzeit ebenfalls eher Fragezeichen, mittelfristig aber weitere Wachstumschancen. (szem, DER STANDARD, Printausgabe, 29. August 2001)

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