Türkische Zyprioten für Gleichbehandlung mit Nikosia

28. August 2001, 19:46
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Türkisch-zypriotischer Volksgruppenchef Denktas vereinbart mit Verheugen "direkten Dialog"

Zürch/Ankara/Salzburg - Vor seinem Treffen mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan am Dienstag in Salzburg ist der Führer der türkischen Zyprioten, Rauf Denktas, am Montagabend in Zürich mit dem Erweiterungs-Kommissär der Europäischen Union, Günter Verheugen, zusammengetroffen. Wie Denktas nach türkischen Medienberichten vom Dienstag erklärte, habe er mit Verheugen eine weitere Zusammenkunft vereinbart, um einen "direkten Dialog" herzustellen.

"Die türkisch-zypriotische Seite hat in einer aufrichtigen und offenen Weise die Schwierigkeiten dargelegt, die sie mit dem griechisch-zypriotischen EU-Beitrittsantrag hat", zitierten die türkischen Medien Denktas, der sich dagegen verwahrte, dass die Regierung von Präsident Glafcos Clerides als alleinige legitime Regierung ganz Zyperns anerkannt wird. Die Denktas-Administration ("Türkische Republik Nordzypern") wird nur von der Türkei anerkannt, die seit der Invasion 1974 rund 40.000 türkische Soldaten im Nordteil der Mittelmeerinsel stationiert und 100.000 Festland-Türken angesiedelt hat. Die Republik Zypern unter Präsident Clerides hat sehr gute Chancen, in die Europäische Union aufgenommen zu werden.

Türkische Zyprioten verlangen Gleichbehandlung mit Nikosia

Der türkisch-zypriotische Volksgruppenführer und Präsident der international nicht anerkannten "Türkischen Republik Nordzypern", Rauf Denktas, verlangt die Gleichbehandlung mit der Führung der Republik Zypern. "Wir müssen als gleichberechtigte Partner behandelt werden", sagte Dentas vor seinem Gespräch mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan am Dienstag in Salzburg. Er sei auf Einladung Annans nach Österreich gekommen, "um herauszufinden, ob sich die Einstellung uns gegenüber geändert hat und was mir Annan zu sagen hat".

Für das Scheitern der bisherigen Vermittlungsbemühungen der UNO machte Denktas die griechischen Zyprioten verantwortlich. Sie hätten Annans Eröffnungsstatement bei den Gesprächen im vergangenen September, als der UNO-Generalsekretär von zwei gleichberechtigten Partnern gesprochen habe, zurückgewiesen. Daraufhin hätten die türkischen Zyprioten sich im November gezwungen gesehen, sich aus den Verhandlungen zurückzuziehen.

Neue UNO-Mission

Denktas kündigte an, dass UNO-Vermittler Alvaro de Soto am 29. September eine neue Mission in Zypern aufnehmen werde. "Er wird eine Woche zwischen beiden Seiten unterwegs sein." Danach werde man wissen, ob es "eine Änderung der Position auf griechischer Seite gibt", meinte der Führer der türkischen Zyprioten. Für seine Volksgruppe sieht Denktas keinen Grund für eine Haltungsänderung: "Wir wollen eine Vereinbarung auf Basis einer neuen Partnerschaft zwischen zwei gleichberechtigten Seiten." Das entspreche der 1960 bei der Gründung der Republik Zypern angenommenen Verfassung, sei aber von griechisch-zypriotischer Seite systematisch unterlaufen worden. Vor der "Zerstörung" seien die türkischen Zyprioten 1974 durch die türkische Militärintervention "gerettet" worden, die zur Teilung der Insel bis heute führte.

Die Lösung des Konflikts sieht Denktas in der Schaffung eines gemeinsamen Staates zweier getrennter Entitäten mit "gemeinsamen Organen zur Vertretung nach außen". Vehement lehnte er den Alleinvertretungsanspruch der Regierung in Nikosia ab. "Sie können nicht für uns sprechen", sagte er an die Adresse der griechischen Zyprioten.

Den EU-Beitrittsantrag der Republik Zypern bezeichnete Denktas in diesem Zusammenhang als ausschließlich griechisch-zypriotische Angelegenheit. "Sie haben den Antrag gestellt, nicht Zypern." Sollte die Republik Zypern die Aufnahme in die EU schaffen, wäre dies auf "griechische Erpressung" zurückzuführen. Angesichts "massiver Menschenrechtsverletzungen und des Ausschlusses eines Viertels der Bevölkerung" würde dies aber "ein sehr großes Problem für die Region und die ganze EU schaffen", drohte Denktas. Die EU würde mit der Aufnahme der Republik Zypern in der gegenwärtigen Form außerdem gegen ihre eigenen Prinzipien verstoßen: "Wir wollen wissen, was die Standards der EU sind."

Truppenabzug erst nach Friedensregelung

Ein Rückzug der rund 40.000 in Nordzypern stationierten türkischen Soldaten ist nach Ansicht von Denktas erst nach Abschluss einer endgültigen Friedensregelung möglich. "Sie waren unsere Retter", betonte der Führer der türkischen Zyprioten. "Wenn die Griechen aufhören vorzugeben, dass sie die Regierung von ganz Zypern sind und ein Recht haben, über uns zu bestimmen, können die türkischen Truppen abziehen", meinte Denktas.

Vor seinem Gespräch mit Annan in Salzburg traf Denktas Montag Abend in Zürich für zwei Stunden mit EU-Erweiterungskommissär Günter Verheugen zusammen. "Ich bin froh, dass es diesen Kontakt gegeben hat, und ich hoffe, dass ich ihm einiges zum überlegen auf den Weg mitgeben konnte", sagte Denktas.

Berichte, wonach immer mehr Nordzyprioten um Reisepässe der Republik Zypern ansuchen, wies Denktas als "neuerliche Propagandaaktion" der griechischen Seite zurück. "Unsere Leute leiden unter einem illegalen Embargo, und es ist klar, dass sie Wege suchen, um sich bewegen zu können", räumte er ein. Dennoch habe nur eine verschwindend geringe Zahl sich um Reisepässe der Republik Zypern bemüht. "Ich habe ihnen erklärt, dass sie einen Fehler machen, und sie haben es eingesehen", sagte Denktas. (APA/Reuters)

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