Flughafen Wien: Gebremstes Wachstum

28. August 2001, 20:17
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Für Gesamtjahr 2001 Passagierplus von drei Prozent erwartet - Einstieg bei Flughafen Preßburg für Herbst geplant

Wien - Nach zuvor drei Rekordjahren in Folge bläst dem börsenotierten Flughafen Wien nun ein etwas rauerer Wind ins Gesicht. Passagieraufkommen und Verkehrsentwicklung blieben im ersten Halbjahr 2001 unter den Erwartungen, sagte Flughafen-Vorstandssprecher Herbert Kaufmann heute, Dienstag, bei der Halbjahres-Pressekonferenz. Das Ergebnis vor Steuern (EBIT) sank um 2,9 Prozent auf 48,4 Mill. Euro, der Umsatz stagnierte bei 158,9 (nach 158,8) Mill. Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Flughafen Wien ein Passagierwachstum von 3 Prozent bei einer Stagnation der Flugbewegungen (Starts und Landungen) und einem leichten Rückgang des Höchstabfluggewichts.

Im ersten Halbjahr stieg die Anzahl der Passagiere auf hohem Niveau zwar um 4,6 Prozent - das Plus lag sogar über dem europäischen Durchschnitt von 3 Prozent -, das Wachstum war aber dennoch gebremst, bemerkte Kaufmann. Die Anzahl der Transferpassagiere wuchs hingegen durch den zunehmenden Osteuropa- und Transatlantikverkehr überdurchschnittlich um 17 Prozent. Die Anzahl der Flugbewegungen stieg um 1,6 Prozent, das Höchstabfluggewicht sank um 1 Prozent.

Marketing soll verstärkt werden

Um künftig den Verkehr wieder zu steigern, will der Flughafen Wien mehr Marketingaktivitäten setzen und geplante Investitionen genau überprüfen, um möglichst flexibel reagieren zu können, so Kaufmann. Weiters soll der Flughafen Wien zunehmend als Ost-West-Drehscheibe ausgebaut und für die EU-Erweiterung bereit gemacht werden. Im Herbst soll ein Architektenwettbewerb über die Gestaltung des 2004 fertig zu stellenden Office Park entscheiden. Im Oktober wird das Logistikzentrum für UPS fertig gestellt, ein Bürogebäude und ein Frachtgebäude für TNT ist in Bau.

Nach wie vor interessiert ist der Flughafen an einer Zusammenarbeit und Beteiligung am Flughafen Preßburg, der im Herbst aus der slowakischen Hoheitsverwaltung ausgegliedert und in eine AG umgewandelt werden soll, betonte Kaufmann. Eine künftige Kooperation mit Preßburg löse allerdings das Problem der dritten Piste nicht, die Wien als Transferhub in der Spitzenstunde brauche. Die seit Jahresbeginn laufende Mediation zum Flughafen-Ausbau soll im April 2002 ein Ergebnis bringen.

Shopping-Umsätze stark gewachsen

Beim Großflughafenprojekt Berlin-Brandenburg will der Flughafen noch vor Ende Oktober die Verträge finalisieren, im Iran, wo eine Kooperation mit dem zweitgrößten iranischen Flughafen geplant sei, prüfe man die Möglichkeiten und in Spanien, wo der Flughafen Wien an einem Projekt zur Errichtung eines Flughafens in der spanischen Stadt Ciudad Real beteiligt ist, diskutiere man derzeit über die Gesamtfinanzierung.

Überproportional gewachsen sind im ersten Halbjahr die Shopping-Umsätze. Die Verluste durch den Wegfall des Duty-Free-Geschäfts seien durch die Neueröffnung und den Umbau von Shops wieder wettgemacht worden, die Umsätze sind wieder so hoch wie 1998 vor dem Wegfall des Duty Free-Geschäfts, betonte Kaufmann.

Die Personalkosten sind im ersten Halbjahr 2001 um 1,5 Prozent auf 67,5 Mill. Euro gesunken, die betrieblichen Aufwendungen - für Mediation, Marketing und Instandhaltung - stiegen hingegen um 31,4 Prozent auf 16,4 Mill. Euro. Insgesamt stieg der Betriebsaufwand leicht um 0,3 Prozent auf 112,7 Mill. Euro.

(APA)

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