In der Vojvodina werden Rufe nach Autonomie immer lauter

28. August 2001, 09:40
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Serbischer Vizepremier Kasza kritisiert Westen

Budapest - Die Rufe nach Autonomie werden in der nordserbischen Provinz Vojvodina immer lauter. Diese werden jedoch kaum erhört. Dabei herrschte in der Provinz, wo rund 350.000 Ungarnstämmige leben, nach dem Sturz von Milosevics große Euphorie. Aber die, sagte der serbische Vizeministerpräsident und Vorsitzende des Demokratischen Verbandes der Ungarn in der Vojvodina, Jozsef Kasza, "ist längst verflogen".

Kasza, er ist auch Ex- Bürgermeister von Subotica (Szabadka) ist, spricht von großer Ernüchterung. Dabei gingen die Reformprozesse weit langsamer voran als erhofft. "Dafür gibt es zwei Gründe: zum einen ist die Hilfe aus dem Westen verschwindend gering, langsam und wenig effektiv. Zum anderen wurden jene inneren Kräfte immer stärker, die die Reformen bremsen. Und auch das ist teils dem passiven Verhalten des Westens zu verdanken. "

Auf einer vergangene Woche in Novi Sad abgehaltenen Sitzung der serbischen Regierungskoalition DOS (ungarisch Uj Videk) versprach Regierungschef Zoran Djindjic nun endlich mehr Autonomierechte für die Vojvodina. "Bei dieser Begegnung", so Kasza - "zeigte sich eindeutig, dass die Autonomie der Vojvodina von allen Seiten unterstützt wird. Nur hinsichtlich der Möglichkeiten der Verwirklichung gibt es verschiedene Auffassungen." Die Parteien der Provinz wollen nun gemeinsam mit der Demokratische Opposition den Kampf aufnehmen, damit in Belgrad jene Gesetze außer Kraft gesetzt werden, die Milosevic eingeführt hatte", erklärte Kasza.

Die Provinz braucht Unterstützung

14 Parteien und Bürgerinitiativen fordern Autonomie für die ethnisch gemischte Provinz. Dabei könnte es nun paradoxerweise die Krise der serbischen Regierungskoalition sein, die etwas bewegt. Regierungschef Djindjic könnte sich so die Stimmen der 20 Abgeordneten der Vojvodina-Parteien sichern, die der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica benötigen würde, um die Djindjic-Regierung zu stürzen. Auf die Frage "Wäscht eine Hand die andere?", erinnerte Kasza daran, das in der Politik immer Interessen dominieren. Nach denen können wir forschen - doch bringt uns das nichts. Viel wichtiger ist doch das Ergebnis."

Für Kasza ist wichtig, dass der Vojvodina erneut Autonomie gewährt wird. Doch dafür brauche die Provinz die materielle und moralische Unterstützung des Westens. Die 1974 eingeführte weitgehende Autonomie der multinationalen Provinz hatte der ehemalige serbische Präsident Slobodan Milosevic 1989 aufgehoben. Nun soll die Einräumung der Autonomierechte etappenweise erfolgen. Bis Jahresende wurde eine gewisse Eigenständigkeit im Gesundheitswesen, in Bildung, Verwaltung und Justiz zugesichert. (APA)

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