Osttimor

28. August 2001, 09:23
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Annexion durch Indonesien völkerrechtlich gegenstandslos

Dili - Die Insel Timor, die östlichste der Sunda-Inseln, rund 500 Kilometer nördlich von Australien, ist von ihrer Kolonialgeschichte geprägt. Der westliche Teil der Gewürz- und Kaffee-Insel war jahrhundertelang im Besitz der Niederlande und wurde nach der Unabhängigkeit 1945/49 Teil des neuen Staates Indonesien. Osttimor, mit etwa 15.000 Quadratkilometern kleiner als Niederösterreich, war von 1520 bis 1975 portugiesisch.

Nach der "Nelken-Revolution" in Lissabon im April 1974 zogen sich die Portugiesen aus ihrem Überseeterritorium zurück. Die Befreiungsbewegung "Fretilin" (Frente Revolucionaria de Timor Leste Independiente) rief am 28. November 1975 die Unabhängigkeit Osttimors aus. Aber neun Tage später marschierten indonesische Truppen ein. Am 17. Juli 1976 wurde der Inselteil von der Besatzungsmacht ohne völkerrechtliche Wirksamkeit zur "27. Provinz" Indonesiens erklärt.

Für die Vereinten Nationen blieb Osttimor mit seinen etwa 800.000 überwiegend katholischen Einwohnern de jure unter portugiesischer Verwaltung bis zur Verwirklichung der Unabhängigkeit.

Seit 1976 Übergriffe indonesischer Truppen

Seit 1976 schlugen indonesische Truppen mehrere Aufstände nieder und gingen brutal gegen den Widerstand und die Zivilbevölkerung vor. Die katholische Kirche und Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass nach der Invasion mehr als ein Drittel der Bevölkerung gewaltsam ums Leben kam. Gleichzeitig wanderten etwa 100.000 meist moslemische Indonesier von anderen Inseln zu, überwiegend Händler, Ärzte und Lehrer, die im katholischen Osttimor jedoch Fremde blieben.

Als Symbolfiguren der osttimoresischen Befreiungsbewegung sind Bischof Carlos Filipe Ximenes Belo und der Auslandskoordinator der "Fretilin", Jose Ramos-Horta, 1996 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. 1992 hatte die Besatzungsmacht den Fretilin-Führer Jose Alexandre ("Xanana") Gusmao eingekerkert. Er wurde in Jakarta wegen Subversion zu lebenslanger Haft verurteilt; die Strafe wurde später in zwanzig Jahre umgewandelt.

Nach dem Zusammenbruch der Suharto-Diktatur einigten sich Indonesien und Portugal unter UNO-Vermittlung auf ein Selbstbestimmungs-Referendum in Osttimor. Am 30. August 1999 votierten nahezu 80 Prozent für die Unabhängigkeit. Die indonesische Besatzungsarmee und von ihr gesteuerte Milizen überzogen daraufhin die Inselhälfte mit einer Welle der Gewalt. Etwa 250.000 Menschen mussten fliehen, viele wurden von der Besatzungsmacht nach Westtimor vertrieben oder verschleppt. Eine multinationale Eingreiftruppe (INTERFET) unter Führung Australiens setzte dem Morden ein Ende. Seit dem Abzug der indonesischen Besatzungstruppen und dem Ende der schweren Ausschreitungen pro-indonesischer Terrormilizen steht Osttimor unter UNO-Verwaltung. (APA/dpa)

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