VW-Tarifmodell: Streit um Flächentarifvertrag bricht aus

29. August 2001, 09:56
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VW kann mit Millionenhilfe vom Bund rechnen

Berlin - Nach der Einigung auf das Tarifmodell "5000 mal 5000" ist Streit um die Auswirkungen auf die übrige Tariflandschaft in Deutschland ausgebrochen. Der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeber-Dachvereinigung BDA, Reinhard Göhner, forderte gegenüber der "Berliner Zeitung" vom Mittwoch Änderungen bereits in der kommenden Tarifrunde. Dabei müsse auch "die ergebnis- und leistungsabhängige Vergütung" eine Rolle spielen, sagte Göhner.

Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) forderte dagegen eine Beibehaltung der Flächentarife. "Wir dürfen jetzt keine allgemeine Lohnsenkungsdebatte führen", sagte Gabriel der "Neuen Presse" Hannover. Bei der Umsetzung des Tarifmodells kann Volkswagen mit Finanzhilfen des Bundes in zweistelliger Millionenhöhe für die Einstellung von Arbeitslosen rechnen.

Weitere Öffnung der Flächentarifverträge sollen verhandelt werden

In der Tarifrunde 2002 solle über eine weitere Öffnung der Flächentarifverträge verhandelt werden, forderte Göhner. An die Gewerkschaften gehe nun die Frage, "wie weit sie solche Flexibilisierungsmöglichkeiten nicht nur bei VW, sondern überall in den Branchentarifverträgen akzeptieren". Dies werde sich auch "sicherlich auf die Beschäftigungssituation positiv auswirken". VW habe dabei mit einer 20-prozentigen Senkung der Lohnkosten "ein besonderes Zeichen gesetzt".

Volkswagen und IG Metall hatten sich zuvor auf Rahmenbedingungen des Modells geeinigt, das die Schaffung von bis zu 5000 Arbeitsplätzen für einen Brutto-Monatslohn von 5.000 DM (2.556 Euro/35.178 S) bei VW vorsieht. "Wir rechnen damit, dass für Arbeitslose, die eingestellt werden, Zuschüsse von den Arbeitsämtern beantragt werden", sagte Ute Nicolaysen, Sprecherin des niedersächsischen Landesarbeitsamtes, der "Financial Times Deutschland".

"Ausreichend Möglichkeiten für flexible Regelungen"

Der Flächentarifvertrag biete "ausreichend Möglichkeiten für flexible Regelungen", sagte dagegen Gabriel der "Neuen Presse". Diese würden in der Praxis auch genutzt. Das VW-Modell lasse sich zudem nicht eins zu eins auf andere Branchen übertragen; so gebe es viele Bereiche, in denen die Menschen keine 5000 Mark brutto verdienen würden.

Beim VW-Modell "5000 mal 5000" bekommen die neu eingestellten Arbeitslosen weniger Geld als die bisherigen VW-Beschäftigten. Über Bonuszahlungen soll aber das Niveau des Flächentarifvertrages für die niedersächische Metall- und Elektroindustrie erreicht werden. Beim geplanten Bau eines Kleinlieferwagens auf Basis des VW Golf werden die Mitarbeiter stärker für die Qualität ihrer Arbeit verantwortlich gemacht. So sollen sie selbst verursachte Fehler in unbezahlter Nacharbeit wieder ausbügeln. (APA)

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