Peru: Kongress stimmt für Mordanklage gegen Fujimori

28. August 2001, 09:02
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Ex-Staatschef muss sich wegen Rolle in Massakern verantworten

Lima - Im Zusammenhang mit zwei Massakern in Lima muss sich der peruanische Ex-Präsident Alberto Fujimori vermutlich demnächst wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der Kongress in Lima stimmte einstimmig für eine entsprechende Anklage Fujimoris. Die Mordanklage soll eine Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermöglichen, um die Auslieferung des ehemaligen Staatschefs aus Japan zu erzwingen.

Der Antrag stützt sich auf Zeugenaussagen von ehemaligen Geheimdienstagenten, wonach Fujimori Anfang der 90er Jahre im Kampf gegen die linksgerichtete Guerillagruppe Leuchtender Pfad ein Killerkommando einsetzte. Den Ermittlungen zufolge stürmte die 35-köpfige Todesschwadron "Colina" am 3. November 1991 ein privates Wohnhaus in Lima und erschoss 15 Gäste einer Party.

Hochburg des Leuchtenden Pfads

Die Opfer stammten zum Großteil aus der peruanischen Region Ayacucho, einer Hochburg der linken Untergrundorganisation Leuchtender Pfad. Am 18. Juli 1992 wurden neun Studenten und ein Dozent der Universität von Cantuta bei Lima verschleppt und erschossen. Auch sie standen im Verdacht, dem Leuchtenden Pfad anzugehören. Laut Untersuchungsbericht steht die Verwicklung Fujimoris in die beiden Massaker außer Zweifel.

Fujimori hatte Peru zehn Jahre lang autoritär regiert. Nach seiner Flucht nach Japan wurde er in Peru bereits wegen Pflichtversäumnis und Veruntreuung von Staatsgeldern angeklagt. Mittlerweile besitzt er die japanische Staatsbürgerschaft, was die vom neuen Staatschef Alejandro Toledo geforderte Auslieferung fast unmöglich macht. (APA)

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