Eklats im Vorfeld der Konferenz

28. August 2001, 17:52
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Israels Delegation zog sich zurück - US-Verteidigungsminister Powell sagt Teilnahme ab

Durban - Im Vorfeld der am Freitag beginnenden Anti-Rassismus-Konferenz im südafrikanischen Durban ist es zu einem Eklat gekommen. Die zehnköpfige israelische Delegation bei einem der Konferenz vorgeschalteten Jugendgipfel zog sich empört zurück, weil Israel zur Besatzungsmacht erklärt worden war. Ein entsprechender palästinensischer Antrag war mehrheitlich angenommen worden.

Die israelischen Delegierten nannten die Konferenz eine Farce, die nichts anderes als eine Plattform für Antizionismus sei. Nach Angaben eines Sprechers hatten die Palästinenser in einem Arbeitskreis einen Antrag vorgelegt. Darin wurde der Gipfel aufgefordert anzuerkennen, dass Palästina Gebiet unter ausländischer Besatzung sei. Zuvor war es zu Zwischenfällen zwischen beiden Delegationen wegen antizionistischer Slogans auf den T-Shirts der Palästinenser gekommen.

Umstrittene Gleichsetzung

Die umstrittene Gleichsetzung zwischen Zionismus und Rassismus hatte die USA bewogen, US-Außenminister Colin Powell nicht zur Anti-Rassismus-Konferenz zu schicken. Die UNO-Beauftragte für Menschenrechte, Mary Robinson, hatte dagegen erklärt, das Thema spiele auf der Konferenz keine Rolle mehr. Tief ist auch die Kluft zwischen ehemaligen Kolonien und den einstigen Kolonialmächten. Die westlichen Länder sind zwar bereit, die Praktiken vergangener Zeiten zu "bedauern", eine Entschuldigung lehnen sie jedoch ab, weil dies Entschädigungsforderungen nach sich ziehen könnte.

Senegal: Wiedergutmachung "absurd und beleidigend"

Senegals Präsident Abdoulaye Wade hat die finanzielle Wiedergutmachung für Sklaverei als "absurd und beleidigend" für die afrikanischen Völker zurückgewiesen. Nichtregierungsorganisationen halten dagegen an der Forderung fest und verweisen auf die Entschädigung von Opfern des Holocaust.

Die Themen der Konferenz sind weit gespannt: Über Globalisierung, Landrückgabe, Rassismus in Simbabwe, Aids, Gleichberechtigung der Geschlechter und religiöse Intoleranz wird diskutiert. Auch die Diskriminierung von Eingeborenen, Flüchtlingen, Nomadenvölkern, Sinti und Roma sowie Unberührbaren in Indien steht auf der Agenda. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 29.8.2001)

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