Hightech klärt Fisch-Reisen

28. August 2001, 12:52
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Die Fangquoten für Blaufinnenthunfisch sind zu hoch - denn die Fische verhalten sich ganz anders als gedacht

Palo Alto - Sechs Jahre lang hat ein Forscherteam um Barbara Block (Universität Stanford, Kalifornien) die Wanderungen des vom Aussterben bedrohten Blaufinnenthunfischs beobachtet, um herauszufinden, ob die getroffenen Schutzmaßnahmen ausreichen. Das Ergebnis: Sie tun es nicht, denn die Fische verhalten sich ganz anders als gedacht. Die Erkenntnisse wurden am 17. August in Science (Bd. 293, S. 1310) veröffentlicht.

Im Stanford-Team sitzt auch der Innsbrucker Meeresbiologe und Spezialist für Geographische Informationssysteme (GIS) Andreas Walli. "Der Blaufinnenthunfisch", erklärt er dem STANDARD, "ist ein begehrter Speisefisch und daher stark überfischt. Er wird bis zu drei Meter lang, 680 Kilo schwer und lebt im Wesentlichen in zwei Populationen, eine im Westatlantik, eine im Ostatlantik und im Mittelmeer. Die im Westen ist seit 1970 von 250.000 auf 22.000 Exemplare geschrumpft, deshalb hat man hier die Fangquoten stärker reduziert als im Osten. Doch nun hat sich gezeigt, dass das nicht genügt, da sich beide Populationen viel stärker mischen als gedacht."

Die Reisewege der Tiere, die bis zu 1000 Meter tief unter Wasser schwimmen und daher schwer zu beobachten sind, konnten nun erstmals mithilfe von implantierten Messgeräten oder an der Haut fixierten PSATs ("pop-up satellite archival tags"), die nach einiger Zeit selbsttätig an die Oberfläche steigen, verfolgt werden. Die Auswertung der von Satelliten aufgefangenen Daten ergab, dass manche der 377 markierten Thunfische durchaus ein Jahr lang orts- treu blieben, andere jedoch in einem Jahr zweimal den Atlantik durchquerten. Studienleiterin Barbara Block: "In Summe sieht es so aus, als ob sie sich in den Futtergründen häufig mischen, dann aber zum Laichen in zwei Populationen teilen: Eine schwimmt in den Golf von Mexiko, die andere ins östliche Mittelmeer." Fazit: Auch die Fangquoten im östlichen Atlantik und im Mittelmeer müssen gesenkt werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 8. 2001)

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