Bioethik: Katholisches Pfeifen - Von Michael Fleischhacker

27. August 2001, 20:46
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Der Katholische Laienrat Österreichs hat am Wochenende Beschlüsse zur Bioethik gefasst, die in durchaus forschem Ton gehalten sind. Der "Abgelehnt!"-Duktus wurde freilich ein wenig übertrieben: Es bringt nicht viel, zuerst das Verbot der "Erzeugung von Embryonen durch Klonung" zu fordern und danach auch noch die "Erzeugung von Stammzellen durch reproduktives Klonen" verbieten zu wollen.

Es mag sich dabei um einen schlichten Schreibfehler handeln (die Gewinnung von Stammzellen wird gemeinhin mit "therapeutischem" Klonen in Verbindung gebracht, während das reproduktive Klonen die Erzeugung ganzer Menschen im Auge hat). Man hat aber auch den Eindruck, hier pfeife jemand laut im Wald, um die eigene Angst zu überspielen.

Angst im Nacken

Die Angst im Nacken der kirchlichen Ethiker dürfte vor allem von der Inkonsistenz der eigenen Position gespeist werden: Welche Art von Ethik führt dazu, dass zwar "die Verwertung von lebenden oder absichtlich getöteten Embryonen und Föten" strikt verurteilt wird, man sich mit der Tötung von Embryonen und Föten aber immer wieder ethisch arrangiert? Wann endlich präsentiert jemand Argumente dafür, dass es offensichtlich ethisch vertretbarer ist, Embryonen durch den Krankenhausmüll zu entsorgen, als sie der Forschung zuzuführen?

Wenn man sowohl die Verwertung "überzähliger Embryonen" als auch die Erzeugung "neuer" verbieten will, warum sagt man dann nicht ganz offen, dass man gegen jegliche Forschung an embryonalen Stammzellen - und dann wohl auch gegen die Nutzung der "unmoralisch" gewonnenen Erkenntnisse - ist?

Restriktive Positionen in der bioethischen Debatte sind durchaus respektabel und nützlich. Allerdings nur, wenn sie in aller Offenheit und Konsequenz vertreten werden. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 28.8.2001)

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