Bedrohte Arten in der Stadt erhalten Schutz

27. August 2001, 19:26
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Umweltstadträtin Isabelle Kossina will das über das "Netzwerk Natur" erreichen - und 89 teils bedrohte Arten

Wien - Wo der Wiener am unmittelbarsten auf Natur trifft, dort will auch die Umweltstadträtin über Arten-Lebensraumschutz referieren - darum bat Isabella Kossina (SP) Montagvormittag zum Heurigen. Allerdings wollte Kossina nicht dem morgendlichen Bio-Spritzer das Wort reden, sondern einen jener "Partner" präsentieren, ohne die das von ihr vorgestellte Programm "Netzwerk Natur" nicht funktionieren könnte: die Weinbauern.

Die Theorie . . .

Schließlich sind diese ebenso wie Kleingärtner, Gemüsebauern und Klöster, aber auch Balkon- und Hinterhof-oder Parkgärtner die wichtigsten Ansprechpartner des Umweltamtes, wenn es darum geht, urbane Lebensräume zu schützen und zu erhalten. Für nicht menschliche Lebensformen. Erreicht werden sollen diese "Partner" über Leitbilder- und Strategiepläne, die bezirksweise erarbeitet werden.

Die Initiative "Netzwerk Natur" will Biotope im städtischen Raum und mehr als achtzig Tier- und Pflanzenarten ebenda gezielt schützen und fördern. "Wenn diese Flächen und Lebensräume nicht kleiner werden, ist das schon ein Riesenerfolg", erklärte Projektkoordinator Josef Mikocki.

Pflanzen und Tiere, die teilweise sogar vom Aussterben bedroht sind, wurden in das Programm aufgenommen - insgesamt 89 verschiedene Tier- und Pflanzenarten sowie zwölf Biotoptypen.

Insgesamt, so Kossina, stünden heuer drei Millionen Schilling für das Artenschutzprojekt zur Verfügung.

. . . und die Praxis

Wie wichtig der "Projektpartner" "aufmerksamer Bürger" für die Erhaltung kleiner Lebensräume ist, zeigte sich während der vergangenen heißen Tage am Teich an der Senderstraße am Bisamberg. Dort wäre den Fischen in dem kleinen Biotop fast die Luft weggeblieben: Die Hitze, wuchernde Algen - die giftgrüne Wasserlinse - und zu viel Dünger hatten das Wasser "gekippt": Der Teich war praktisch zugewachsen, lediglich übler Geruch war zu bemerken.

Jetzt haben die Helfer der Wiener Naturwacht den Teich wiederbelebt. Mit großen Netzen wurden wuchernde und bereits abgestorbene Pflanzen im tieferen Wasser abgezogen, der Boden gesäubert und tote Fische entfernt. Die noch lebenden Fische haben nun wieder genügend Luft zum Atmen.

Woher die Überdüngung im Teich stammt, ist beim Magistrat nicht bekannt. Möglicherweise haben die Nährstoffe absterbender Pflanzen dazu beigetragen, dass sich die Algen besonders gut entwickeln konnten. Eine durch die Landwirtschaft verursachte Überdüngung gilt als unwahrscheinlich.

Der Floridsdorfer Teich gilt für Naturschützer als besonders wertvoll, weil sich alljährlich im Frühjahr Hunder- te Kröten dort zur Paarung einfinden. Das schilfbewachsene Ufer, Sträucher und alte Bäume bieten dort Lebensraum für Spechte, Wespenbussarde oder Ringelnattern. (aw, rott/DER Standard, Print, 28.8.2001)

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