Vagn Sörensen: Ein Komet schlägt bei der AUA ein

27. August 2001, 18:48
posten
Mit dem 41-jährigen Dänen Vagn Sörensen hat der maßgebliche AUA-Eigentümer, die staatliche Beteiligungsholding ÖIAG, offenbar wirklich den Wunderwuzzi gefunden, der so lange gesucht wurde. Alle loben ihn, selbst in der AUA wissen die Manager nur Gutes über ihn zu berichten. Und das heißt in dem Intrigantenstadel etwas.

Sörensen hat praktisch seine gesamte Karriere beim skandinavischen Fliegerverbund SAS verbracht und sich dort emporgearbeitet, bis er 1994 schließlich dessen Vizekonzernchef wurde. Er gilt als unkomplizierter, charismatischer und weltoffener Mensch, der gerne kommuniziert und einen kooperativen Führungsstil pflegt. Neben den skandinavischen Sprachen beherrscht Sörensen auch Englisch und Deutsch. Entscheidend aber ist: Er kennt die AUA.

1990 war Sörensen maßgeblich am Zustandekommen der European Quality Alliance (EQA) beteiligt, zu der neben der AUA und der SAS auch die Swissair und die Finnair gehörten. Nach dem Absprung der Finnair versuchten es AUA, SAS, Swissair und KLM mit einem Fliegerbündnis namens Alcazar. Auch dabei zog Sörensen für die SAS die Fäden. Weil aus beiden Versuchen nichts wurde, ging die SAS und damit Sörensen daran, gemeinsam mit der Lufthansa und der United Airlines 1997 die Star Alliance zu gründen. Diesem weltweit größten Fliegerbündnis gehört seit 2000 auch die AUA an.

Aus den Erfahrungen der vergangenen 17 Jahre kennt der Däne die AUA fast so gut wie die SAS, zumal er im Zuge seiner Karriere auch für das Routengeschäft Österreich zuständig war. Sörensen hat ein "cultural sensitiv", was so viel heißt wie, dass er sich in die österreichische Mentalität gut einleben kann, streute ihm sein neuer Aufsichtsratschef Johannes Ditz am Montag Rosen. Sörensen ist verheiratet, Vater dreier Kinder und hat die letzten Jahre in Stockholm gelebt. Zu seinen Hobbys gehören der Wassersport und Rad fahren.

Schaler Beigeschmack

Der Abgang von der SAS nach über 17-jähriger Tätigkeit hat freilich einen schalen Beigeschmack. Die EU-Kommission verhängte über die SAS und die dänische Märsk Air ein Bußgeld von über 900 Millionen Schilling wegen unerlaubter Kartellabsprachen bei der Preisbildung auf einzelnen Strecken. Sörensen nahm darauf vor wenigen Tagen den Hut.

Er hat jedoch, so wird versichert, keine rechtlichen Konsequenzen aus der EU-Entscheidung zu befürchten, weil er "zum Wohle der Firma gehandelt hat", wie betont wird. Seit der Kooperation mit Märsk Air kennt der Komet, wie Sörensen wegen seines kometenhaften Aufstiegs bei SAS gerne genannt wird, zumindest den Namen Ditz. Der ebenfalls zurückgetretene Vorstandschef der Märsk Air schreibt sich Ole Dietz. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 28.8.2001)

Share if you care.