Puccini quirlgemixt

27. August 2001, 20:47
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"La Bohème Révoltée": statt Herzenskälte ein Saunabesuch im überhitzten Theater

Zu Saisonbeginn kein umwerfendes Theaterereignis: "La Bohème Révoltée" im Porgy & Bess entpuppt sich als dramaturgisch kaum tragfähige Kombination von Puccini mit dem französischen Existenzialismus.


Wien - Ums ewige Frieren, um die (Herzens-)Kälte geht es doch in Puccinis rührendem Tuberkulose-Drama - und im Porgy & Bess herrschten bei der Premiere von La Bohème Révoltée nachgerade purgatorische Klimaverhältnisse vor. Schwitz, stöhn, fächel.

Wieso aber jetzt Bohème "Révoltée"? Nun: Der Verismo-Klassiker wurde mit Albert Camus' L'Homme révolté von 1951 quirlgemixt. Soll heißen: Die Handlung betreffend wurden die essenziellen Teile der Bohème übernommen und ins Nachkriegs-Paris von 1948 versetzt; dazwischen setzte es philosophische Plaudereien von Jünger über Walser bis Sartre.

Der Bring-Faktor dieses Unterfangens erschloss sich bedauerlicherweise in keiner Sekunde der Produktion; der Gesamteindruck blieb allein der, dass da ein vorgestriges Künstlerklischee mit einem gestrigen kurzgeschlossen wurde, und zwar auf sagenhaft dilettantische Art und Weise.

Bessere Damen

Überhaupt haftete der ganzen Unternehmung das Flair einer leicht amateurhaften Schülertheater-Aufführung an: Die darstellerischen wie auch die gesanglichen Leistungen vor allem der männlichen Akteure ließen bei wohlmeinendster Betrachtung bestenfalls schmunzeln.

Die Damen waren (wie fast immer) um ein Eck besser: Johanna Wölfl gab die Musette burschikos und keck, Margherita Tomasi war eine charismatische Mimi mit flachsblondem Haar und wunderbar schlank-spröder Sopransingstimme. Und das trotz der Musik. Renald Deppe unterlegte nämlich, wenn er sich nicht gerade von Bellini, Aznavour oder Monk "inspiriert" zeigte, die Puccinischen Melodiewunder mit windschiefem Geplärre und Gekrächze seiner 6-Mann-Kombo.

Markus Kupferblum hat als Librettist, Regisseur und künstlerischer Leiter des "Totalen Theaters" diese Produktion zu verantworten: Sie ist in fast allen Belangen ein Debakel.
(end/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 8. 2001)

"La Bohème Révoltée"
noch bis 2.9.
täglich 21 Uhr im
Porgy & Bess
1.,Spiegelgasse 2"La Bohème Révoltée": Tel.:512 84 38
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