Für Friedman ist Euro "ein großer Fehler"

27. August 2001, 19:06
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Wirtschafts- Nobelpreisträger befürchtet verstärkte Spannungen in Europa

Frankfurt - Nach Ansicht von Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman birgt die Gemeinschaftswährung der Eurozone die Gefahr von Spannungen zwischen den Teilnehmerländern. In einem Interview mit der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera bezeichnete Friedman den Euro als "großen Fehler", da er Länder mit unterschiedlichen Bedingungen zu einer einheitlichen Geldpolitik zwinge. "Der Euro wird weniger zu einem einheitlichen politischen System beitragen, als viel mehr Differenzen schaffen", sagte der Ökonom. Als Beispiel nannte er Irland, das derzeit einer strafferen Geldpolitik bedürfe, wohingegen Italien eine Lockerung entgegenkäme.

Turbulente Phase

Auf die Frage, ob es realistisch sei, das Zusammenwachsen Europas durch eine Einheitswährung zu beschleunigen, antwortete Friedman: "Meiner Meinung nach ist das ein großer Fehler." Wegen unterschiedlicher geldpolitischer Bedürfnisse in den Ländern der Eurozone werde es eine Phase von Turbulenzen geben. Aus dem Euro könne kein Teilnehmerland mehr aussteigen: "Der Euro ist errichtet worden, und man hat den Schlüssel weggeworfen. Wie könnte Italien eines Tages aus dem Euro ausscheiden? Deshalb sehe ich eine turbulente Phase voraus."

Wachstumsaussichten

Den Wachstumsaussichten der Eurozone räumt Friedman dagegen gute Chancen ein. Europa und Japan hätten das Potenzial für Wachstum aus eigener Kraft und würden einer Rezession in den USA standhalten können. "Ich bin der Ansicht, dass sich die USA bereits in einer Rezession befinden. Deutlich wird sie im Rückgang von Produktion und Beschäftigung." Es sei eine Frage der Semantik, ob man das Wort "Rezession" verwende oder nicht. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe 28.8.2001)

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