Annan zum "Fall Arlacchi": Kein Einfluss auf den Sicherheitsrat

27. August 2001, 17:53
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UN-Generalsekretär beim "Dialog der Zivilisationen" im Salzburgischen

St. Gilgen - Wenn der UNO-Generalsekretär schon einmal in Österreich weilt, gäbe es viel zu besprechen, nicht zuletzt den "Krisenherd" Wiener UNO, die auf die Entscheidung Kofi Annans über die Zukunft ihres durch einen UNO-Bericht diskreditierten Chefs, Pino Arlacchi, wartet.

Aber der Nahostkonflikt überschattet alles. Die erste, vom Korrespondenten der ägyptischen al-Ahram emotional gestellte Frage, mit der Kofi Annan bei seiner Pressekonferenz mit Außenministerin Benita Ferrero-Waldner in St. Gilgen konfrontiert wurde: "Wo bleibt die Gerechtigkeit im Nahen Osten", wenn jedes Vergehen eines arabischen Landes mit Sanktionen geahndet werde, während Israel ohne Konsequenz gegen Resolutionen und internationale Konventionen verstoße?

Annan antwortete mit der ihm eigenen, fast priesterlichen Ergebenheit, die durch die sanfte Stimme noch unterstrichen wird: Der UNO-Sicherheitsrat sei "Herr seiner eigenen Überlegungen", aber bestimmt nicht "unsensibel gegenüber dem, was in der Region passiert". Beruhigend offensichtlich nicht einmal für den UNO-Generalsekretär selbst, denn er drückte gleichzeitig seine Sorge vor einer weiteren Eskalation aus.

Annan nimmt nach einem privaten Wochenende - inklusive Schafberg-Ausflug mit Wolfgang Schüssel und einer Schifferlfahrt auf dem Wolfgangsee mit der gedirndlten Außenministerin Benita Ferrero-Waldner - am Dienstag am "Salzburger Dialog der Zivilisationen" in Fuschl teil, dessen Ergebnisse in eine Sondersitzung der UNO-Generalversammlung in New York einfließen sollen.

Einen Dialog hatte der Generalsekretär Montag früh auch mit Arlacchi, beide - die Unterredung und auch Arlacchi selbst - wurden der Öffentlichkeit jedoch vorenthalten. Auf die vom STANDARD thematisierte Situation in der Wiener UNO gab es vage Antworten: Seine Entscheidung zur Vertragsverlängerung seiner Untergeneralsekretäre, darunter Arlacchi, werde er "im Herbst" bekannt geben, ein noch ausständiger Bericht über das Gebaren Arlacchis werde bald veröffentlicht. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. August 2001)

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