Nach der Trafik beginnt gleich das Abenteuer

28. August 2001, 12:28
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Thomas Blimlinger, erster Grüner Bezirksvorsteher, muss seine Trafik aufgeben

Wien - Thomas Blimlinger ist Trafikant. Er ist aber seit der Wiener Wahl im Frühjahr auch Bezirksvorsteher (in Neubau). Der erste Grüne in dieser Position.

Der Haken daran: Bezirksvorsteher haben, wie auch andere Spitzenpolitiker (etwa Bundeskanzler oder Klubobleute) Berufsverbot. Deshalb muss Blimlinger eine seiner Tätigkeiten aufgeben. Das war seit der Wahl bekannt. Aber erst jetzt ist klar, wie der Verzicht auf die Trafik genau vonstatten gehen wird.

Ab September, erfuhr der Standard, wird Blimlingers Frau, Barbara Zuschnig, die Trafik in der Siebensterngasse übernehmen. Vorübergehend für sechs Monate. Weil Trafiken "nur in Ausnahmefällen an Nicht-Behinderte vergeben werden", erklärt Ernst Koreska von der Tabakmonopolverwaltung.

Dabei ist Thomas Blimlinger selbst "Ausnahmetrafikant": Er hat das Geschäft von seinem kriegsinvaliden Vater: Wenn die Kinder oder Ehepartner von Behinderten mindestens fünf Jahre in deren Trafik arbeiten, können sie diese auch als Nichtbehinderte übernehmen, erklärt Koreska - und bedauert: Eine weitere Weitergabe ist nicht möglich. Frau Zuschnig hat als Frau des Sohns eines Invaliden daher keinen Anspruch auf die Trafik.

"Wäre die Trafik ein normales Geschäft, könnte ich sie einfach verpachten", meint Blimlinger. Grundsätzlich sei es "positiv", dass Trafiken vorrangig an behinderte Menschen vergeben werden. Allerdings sollte Rücksicht auf Einzelfälle genommen werden. Die Trafik sei ja seine "einzige Existenz".

In den nächsten sechs Monaten wird nach einem behinderten Nachfolger gesucht. Nur wenn sich niemand bewirbt, kann Barbara Zuschnig übernehmen. Blimlinger und seine Frau werden versuchen, diese Frist zu verlängern - wenn möglich bis zur nächsten Gemeinderatswahl. Falls er danach nicht mehr Bezirksvorsteher sein sollte, werde sich schon "etwas anderes ergeben", macht sich Blimlinger keine Sorgen. Er sei schließlich "ein Abenteurer". (DER STANDARD, Print, 27.8.2001)

Standard-Mitarbeiterin Katharina Fischer
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