Videospiel-Giganten vor dem großen Showdown

27. August 2001, 16:21
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PlayStation sieht sich «definitiv im Anti-Microsoft-Lager» - Xbox soll von Windows-Programmierern profitieren

Wenn am Fernsehgerät ein Videospiel läuft, dann ist in vier von fünf Fällen eine PlayStation von Sony angeschlossen. Gegenspieler

Mit der vor einem Jahr eingeführten PlayStation 2 hat der Marktführer den Kunstwelten eine verblüffende Realität verschafft und seine dominierende Stellung weiter ausgebaut. Demnächst aber wird Sony von seinem alten Rivalen Nintendo und einem neuen Gegenspieler herausgefordert, dem Software-Marktführer Microsoft.

"Wir sehen Microsoft als ernsten Gegner und Nintendo als ernsten Wettbewerber", sagte der Geschäftsführer der Sony Computer Entertainment Deutschland, Manfred Gerdes, am Wochenende auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Dann wird er noch etwas deutlicher: "Wir sind definitiv im Anti-Microsoft-Lager." Dazu passen auch die Ankündigungen auf der IFA, die PlayStation 2 mit Zubehör zum vollwertigen Linux-Rechner auszubauen und mit Blick auf eine künftige Breitband-Vernetzung für Online-Unterhaltung strategische Partnerschaften mit AOL und Netscape zu schließen. Ein Prototyp für das PlayStation-Spiel mit Breitband-Vernetzung soll im März 2002 vorgestellt werden.

Geheim

Microsoft, das seine neue Spielkonsole Xbox noch vor dem Weihnachtsgeschäft am 8. November in den Handel bringen will, ist der Funkausstellung fern geblieben. Stattdessen lud die mit dem Xbox-Marketing beauftragte PR-Agentur für Anfang Oktober zu einer Präsentation ein - an einen noch geheim gehaltenen Ort. Die Xbox ist von vornherein mit einer Festplatte ausgestattet und soll vor allem von der großen Zahl von Programmierern profitieren, die schon jetzt Computerspiele für das Microsoft-Betriebssystem Windows entwickeln. Als erste Spieletitel werden unter anderem das Science-Fiction-Kampfspiel "Halo" und das Strategie-Adventure "Odd World" genannt.

Bei tragbaren Geräten gibt Nintendos Game Boy den Ton an Neben den grafischen Fähigkeiten der Spielkonsolen und der Spiele-Auswahl ist der Preis ein entscheidender Faktor. "Die PlayStation 2 finden eigentlich alle total cool, aber auch definitiv zu teuer", sagt auf der Funkausstellung der 15-jährige Berliner Matthias Mehldau.

Nintendo mit seinen Kultfiguren "Super Mario" und "Pokemon" präsentiert sich auf der Funkausstellung nur in einer geschlossenen Veranstaltung für den Handel. Der Gamecube war dort noch nicht zu sehen - er soll am kommenden Wochenende in London seine Europa-Premiere feiern, unter anderem mit dem feucht-rasanten Spiel "Waverace". Nintendos Deutschland-Chef Axel Herr sieht allerdings für die Zukunft eine immer größere Rolle für die mobilen Spielplattformen - bei denen Nintendo mit dem Game Boy unangefochten die Nummer eins ist. Das mobile Spielen werde immer reizvoller, je mehr sich die Leistung der tragbaren Geräte denen der Konsolen annähere. Herr erwartet denn auch, von dem im Sommer neu eingeführten Game Boy Advance bis zum Jahresende eine Million Stück in Deutschland verkaufen zu können.

Und Sega?

Um einen auf der letzten Funkausstellung vor zwei Jahren noch gefeierten Hersteller ist es inzwischen ziemlich still geworden: Die Produktion der damals neu vorgestellten Dreamcast-Konsole von Sega ist eingestellt worden; das japanische Unternehmen entwickelt jetzt Videospiele für die bisherigen Konkurrenten.

Auch die Videospielbranche leidet unter der schwächeren Konjunktur - der Gesamtmarkt der Spielkonsolen musste in der ersten Hälfte dieses Jahres nach Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) einen Rückgang um 13,7 Prozent hinnehmen, bei den Spielen gab es ein Minus von 6,4 Prozent. Zusammen mit der weiterhin verkauften ersten Generation der PlayStation haben die Spielkonsolen von Sony einen Marktanteil von rund 80 Prozent in Deutschland. Für ganz Europa rechnet Sony in diesem Jahr mit einem Verkauf von jeweils fünf Millionen Stück für die PlayStation 2 und die PSOne, die verkleinerte Ausgabe der ersten PlayStation. (AP/red)

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