Bosnische Serben übergeben Kriegsverbrecherliste an Haager Tribunal

27. August 2001, 16:17
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Verzeichnis mit über 3.000 Namen

Belgrad/Banja Luka - Die Behörden der bosnischen Serben-Republik haben dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ein Verzeichnis von über 3.000 vermeintlichen Kriegsverbrechern übergeben. Wie die Belgrader Tageszeitung "Vecernje novosti" (Montag-Ausgabe) schreibt, handle es sich um Mitarbeiter des kroatischen und moslemischen Militärs, sowie um Politiker, die Kriegsverbrechen an bosnischen Serben begangen hätten.

Die in Sarajewo erscheinende Zeitschrift "Dani" hat für Anfang September den Beginn eines Prozesses in Tuzla gegen fünfzehn Kroaten angekündigt, die wegen Kriegsverbrechen an der serbischen und moslemischen Bevölkerung in den Dörfern Zeleca (September 1992) und Zepca (Juni und Juli 1993) angeklagt worden sind.

Del Ponte kündigt Besuch an

Die Chefanklägerin des UNO-Tribunals, Carla del Ponte, hat für September einen erneuten Besuch in Bosnien angekündigt. Medienspekulationen zufolge wird Del Ponte den Behörden der drei bosnischen Volksgruppen bei dieser Gelegenheit Anklagen gegen 120 Personen zustellen. Die bosnisch-serbische Regierung hatte vergangene Woche angekündigt, auch den früheren bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic vor das UNO-Tribunal bringen zu wollen.

Das bosnisch-serbische Parlament soll im September nach einer mehrwöchigen Debatte die Zusammenarbeit mit dem Tribunal auch gesetzlich regeln. Dies soll ermöglichen, dass Festnahmen künftig nicht wie bisher ausschließlich von der internationalen Friedenstruppe SFOR, sondern auch von der lokalen Polizei vorgenommen werden können. Die zwei prominentesten flüchtigen Angeklagten des UNO-Tribunals, der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic und der ehemalige Militärführer Ratko Mladic sollen sich im Osten der Serbischen Republik aufhalten. (APA)

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