Vagn Sörensen: Fliegender Wechsel an die AUA-Spitze

27. August 2001, 16:02
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Wien - Keine drei Wochen ist es her, seit der Däne Vagn Sörensen sein Büro als Vizechef der Scandinavian Airlines (SAS) räumte - oder, wie böse Zungen meinen - räumen musste. Der Stein, über den Sörensen bei der SAS stolperte - die Bildung eines Kartells zwischen der SAS und einer dänischen Konkurrenz-Airline - dürfte im AUA-Aufsichtrat als gerade zur rechten Zeit eingetroffener Glücksfall angesehen werden: Nach dem grünen Licht, das der Personalausschuss des AUA-Aufsichtsrats am Montag gegeben hat, wird der 41-jährige Highflyer aller Voraussicht nach noch am 27. September formell an die Spitze der Austrian-Airlines-Gruppe gehievt.

Restrukturierungserfolge

Sörensen war seit 1994 die Nummer 2 in der SAS. Er soll maßgeblich an den in den letzten Jahren erzielten Restrukturierungserfolgen des Star Alliance-Partners beteiligt gewesen sein. Die SAS gehörte mit einem Jahresumsatz von rund 7,5 Mrd. Franken (4,94 Mrd. Euro/67,9 Mrd. S) und 22 Millionen beförderten Passagieren zu den größten Fluggesellschaften Europas. Anders als die AUA schreibt die SAS auch im operativen Fluggeschäft schwarze Zahlen. Das bereits vor mehr als 50 Jahren gegründete schwedisch-norwegisch-dänische Luftfahrtbündnis SAS hat bereits den heutigen Trend in der Luftfahrt zum engeren Zusammenrücken der Gesellschaften vorweggenommen.

Der perfekt deutsch-sprechende dänische Luftfahrtmanager Sörensen arbeitet seit seinen beruflichen Anfängen bei der SAS. Nach einem "Master of Economics" an der Arhus School of Econonmics and Commerce begann Sörensen als Marketing-Trainee der SAS in Skandinavien und der Schweiz. Nach Stationen als Routenmanager und Marketing-Direktor für den europäischen Markt wurde er 31-jährig 1991 zum Vice President des Unternehmens bestellt. Anfang 1993 rückte Sörensen an die Spitze der zentralen "Business Systems Division" der SAS, die unter anderem für die Produkte und deren Pricing, die Flugzeugflotte sowie Allianzen und kommerzielle Strategien zuständig ist. Anfang 2001 des Jahres wurde er zum Executive Vice President und zum stellvertretenden CEO der SAS bestellt.

Jäher Absturz

Sörensens jäher Absturz war im August dieses Jahres erfolgt, nachdem die EU im Monat davor der SAS einen Strafgeldbescheid von 500 Mill. Schwedischen Kronen (912 Mill. S/66,3 Mill. Euro) ausgestellt hatte. Über die unerlaubten Kartellabsprachen zwischen der Märsk Air waren zuvor bereits hochrangige Manager des dänischen Konkurrenzunternehmens gestürzt.

SAS-Konzernchef Jörgen Lindegaard galt dabei persönlich als nicht betroffen, weil er erst in diesem Jahr in das Unternehmen gekommen ist. Er begrüßte den Rücktritt seines Stellvertreters, weil der geschäftliche Ruf von SAS unter der Kartellaffäre Schaden genommen habe. Sörensen war nach eigenem Bekunden selbst zwar nicht am Zustandekommen des von der EU inkriminierten Kartellabkommens beteiligt. Er "empfinde aber eine moralische Mitverantwortung" schrieb er in einem Kommentar. Sörensen ist verheiratet und hat drei Kinder. (APA)

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