Die Insulinpille

27. August 2001, 15:13
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Tablette könnte bald Spritze ersetzen

Chicago - Diabetiker, die unter Insulinmangel leiden, sind auf tägliche Insulinspritzen angewiesen. Da das Hormon durch die Magensäure zerstört würde, ist die orale Einnahme in Tablettenform bisher nicht möglich. Amerikanische Wissenschaftler haben jetzt aus einem synthetischen Material eine Pille entwickelt, die das Insulin vor Inaktivierung schützt und erst im Dünndarm freisetzt. Die bisher nur im Tierversuch getestete Neuentwicklung wurde auf einer Tagung der American Chemical Society vorgestellt.

Aus einer polymeren, gelartigen Substanz haben Aaron Foss und Nicholas Peppas von der Purdue UniversityMikropartikel hergestellt, deren Durchmesser ein Tausendstel eines Millimeters beträgt. Im sauren Milieu des Magens verdichtet sich das Material und schützt das im Innern der Partikel eingeschlossene Hormon. Beim Übergang in den Dünndarm verändert sich der Säuregrad deutlich. Das bewirkt ein Aufquellen des Polymers. Dadurch werden die Partikel "klebrig", heften sich an die Darmwand an und setzen gleichzeitig das Insulin frei. Dieses gelangt dann durch die Darmschleimhaut in die Blutkapillaren. Die zurückbleibenden leeren Partikel werden aufgrund der natürlichen Erneuerung der Schleimhautzellen ausgespült.

Tierversuche haben ergeben, dass mit dieser Methode bis zu 16 Prozent des in den Tabletten vorhandenen Insulins in das Blut gelangt. "Im Vergleich zu den bisher erzielten 0,01 Prozent ist das ein großer Fortschritt", sagt Peppas. Die Entwicklungszeit bis zur Marktreife der Insulinpille schätzt er auf etwa zehn Jahre. Patienten mit Typ 1-Diabetes bilden aufgrund einer Autoimmunerkrankung zu wenig Insulin. Das Hormon ist Bestandteil eines Regulationsmechanismus, der für einen konstanten Blutzuckerspiegel sorgt. (pte)

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