Abu Ali Mustafa - Ein eher Gemäßigter unter Radikalen

27. August 2001, 16:33
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Ramallah - Es war der erste Arbeitstag von Abu Ali Mustafa nach zwei Wochen Pause. Der 63-jährige Chef der radikalen "Volksfront für die Befreiung Palästinas" (PFLP) saß in seinem Büro im vierten Stock eines Appartementhauses in Ramallah, als die todbringenden Raketen einschlugen. Er hatte sich anders als die Führer der radikalen islamischen Hamas-Organisation oder des "Islamischen Heiligen Kriegs" (Jihad Islami) aus Furcht vor einem Attentat nicht versteckt, sondern weiterhin öffentlich Besucher empfangen. Das Büro lag unmittelbar neben dem Hauptquartier von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat.

Erst vor gut einem Jahr hatte Mustafa die Führung der marxistischen PFLP vom Gründervater Georges Habash übernommen. Zuvor war er lange Jahre Stellvertreter von Habash gewesen, der als erbitterter Gegner Israels sowie der Osloer Verträge von 1993 gilt und Militäraktionen befürwortete. Mustafa gehörte nach palästinensischer Darstellung zum vergleichsweise gemäßigten Flügel der Organisation, die nach Arafats Fatah-Organisation stärkste Fraktion in Ramallah ist. Er bemühte sich nach jahrzehntelangem Streit zwischen der PFLP und Arafat um einen Ausgleich mit dem PLO-Chef.

Mustafa war im Oktober 1999 nach 32 Jahren im jordanischen, libanesischen und syrischen Exil mit Genehmigung Israels in das Westjordanland zurückgekehrt. Auf der Allenby-Brücke über den Jordan empfingen ihn Vertreter der Palästinensischen Nationalbehörde (PNA) mit allen Ehren. Letzte Fotos zeigen Abu Ali Mustafa mit obligatorischem Schnurrbart und schütteren Haaren freundlich lächelnd. Mustafa, dem das Treppensteigen wegen Herzproblemen zunehmend Mühe machte, lebte in Ramallah allein in einem Appartement. Seine Frau und die Kinder waren in Jordanien geblieben. (APA/dpa)

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