"Krise des ÖGB kann ich nicht sehen"

27. August 2001, 19:56
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Verzetnitsch sieht die Debatte ausgestanden - Metaller fordern vier Prozent Lohnerhöhung

Wien - Obwohl der Wirbel um die unmäßigen Gehaltserhöhungen bei der Post-Personalvertretung nicht ausgestanden ist, versucht der ÖGB andere Themenschwerpunkte zu setzen. Am Montag wurde bekannt, dass die Metaller den Reigen der Herbstlohnrunden mit einer Vier-Prozent-Forderung eröffnen werden. Und am Dienstag soll mit dem Beschluss der Fragen für die Urabstimmung zum geplanten politischen Herbstschwerpunkt zurückgefunden werden.

ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch sagte auf Fragen nach seiner Abwesenheit in der Vorwoche, er sei seit letztem Montag informiert gewesen und Renate Csörgits habe ihn gut vertreten. Trotziger Nachsatz: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen." Er werde in zwei Jahren für weitere vier Jahre an der Gewerkschaftsspitze kandidieren.

Nürnberger: "Extrem großer Schaden"

Metaller-Chef Rudolf Nürnberger räumte dagegen ein, dass der Schaden der Post-Affäre für den ÖGB "extrem groß" ist. Am Rande der Besprechungen vom Montag wurde bekannt, dass die Metaller mit der Forderung nach einer vierprozentigen KV-Erhöhung die Herbstlohnrunde eröffnen wollen, was Nürnberger allerdings nicht bestätigte.

Die Metaller begründen ihre Forderung nach vier Prozent Lohnerhöhung mit den enormen Produktivitätssteigerungen in der Branche. Internen Berechnungen zufolge sollen diese heuer bei sechs Prozent liegen.

Verzetnitsch kann keine Krise erkennen

Und während Verzetnitsch die gewerkschaftliche Forderung erneuerte, auch die Bezüge von anderen Funktionären, Managern sowie von Zeitungsherausgebern und Chefredakteuren offen zu legen, blieb ihm vorläufig nur die Offenlegung der Bezüge des ÖGB-Präsidiums.

Nach Verkündigung der Gagen, unterstrich Urlaubsheimkehrer Verzetnitsch: "Eine Krise des ÖGB kann ich nicht sehen." Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht bekannt, dass der Salzburger Landessekretär der Bau-Holz-Gewerkschaft und SPÖ-Landtagsabgeordnete Wolfgang Rainer (allerdings nicht rechtskräftig) verurteilt worden ist, weil er Gewerkschaftsgelder in der Höhe von 240.000 Schilling (17.400 €) im Landtagswahlkampf 1999 nicht widmungsgemäß verwendet hat. Außerdem wird ihm vorgeworfen, den Diebstahl von Teilen dieser Summe - 90.000 Schilling (6540 €) - aus seinem Auto vorgetäuscht zu haben.

Verzetnitsch kann weder dafür etwas, noch für das von ihm verurteilte Verhalten der Post-Gewerkschafter: Der ÖGB kann in deren Vereinbarungen als Personalvertreter nicht dreinreden. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 28.8.2001)

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