Der Osttimor-Konflikt

27. August 2001, 13:26
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Jakarta/Dili - Nach fast einem Vierteljahrhundert indonesischer Okkupation versank Osttimor - bis 1975 ein portugiesisches Überseeterritorium - unmittelbar nach dem Votum der Bevölkerungsmehrheit für die Unabhängigkeit vor zwei Jahren in Chaos und Anarchie. Am 30. August 1999 hatten sich fast 80 Prozent der überwiegend christlichen Osttimoresen in einem von den Vereinten Nationen organisierten Referendum gegen einen indonesischen Autonomieplan und damit für die Eigenstaatlichkeit entschieden. Die Besatzungsmacht richtete daraufhin ein Blutbad an.

Die wichtigsten Daten in Osttimors Geschichte:

  • 1702: Die Osthälfte der größten unter den Kleinen Sunda-Inseln wird portugiesisch.
  • 1769: Der westliche Inselteil wird niederländisch.
  • 1859: Teilungsvertrag (erst 1904 ratifiziert).
  • 1942: Ganz Timor wird von den Japanern besetzt.
  • 1949: Westtimor kommt zu Indonesien.
  • 1952: Osttimor erhält den Status einer portugiesischen Überseeprovinz.
  • 25. April 1974: Militärputsch in Lissabon ("Nelken-Revolution") führt zur Entkolonialisierung.
  • 28. November 1975: Die Befreiungsfront "Fretilin" proklamiert nach überstürztem Rückzug der Kolonialverwaltung die Unabhängigkeit der "Demokratischen Republik Osttimor".
  • 7. Dezember 1975: Indonesiens Armee marschiert ein.
  • 17. Juli 1976: Indonesien annektiert Osttimor ohne völkerrechtliche Wirksamkeit als "27. Provinz." Dies wird von den Vereinten Nationen nicht anerkannt.
  • 1983: Die UNO-Menschenrechtskommission bestätigt in einer Resolution die Unabhängigkeit Osttimors.
  • 1984: Der von den Besatzungsbehörden ausgewiesene Bischof Martinho da Costa Lopes klagt Indonesien vor der UNO-Menschenrechtskommission des Völkermordes an. Von den 1974 registrierten 688.771 Einwohnern seiner Diözese Dili waren 259.000 nach der indonesischen Volkszählung 1983 "verschwunden".
  • 12. November 1991: Indonesische Besatzungssoldaten richten unter Teilnehmern der Beisetzung eines Unabhängigkeitsaktivisten in Osttimors Hauptstadt Dili ein Blutbad mit mehr als 200 Toten an. Jakarta bestätigte offiziell 51 Tote.
  • 20. November 1992: Festnahme des Fretilin-Führers Jose Alexandre ("Xanana") Gusmao. Er wird wegen Subversion zu lebenslanger Haft verurteilt (später Umwandlung in zwanzig Jahre).
  • 1996: Osttimors katholischer Bischof Carlos Filipe Ximenes Belo und der im Exil lebende Fretilin-Koordinator Jose Ramos-Horta werden mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
  • Mai 1998: Der nach schweren Unruhen in Indonesien erzwungene Rücktritt des langjährigen Diktators Suharto ebnet den Weg für eine politische Regelung.
  • Mai 1999: Indonesien und Portugal einigen sich unter UNO-Vermittlung auf ein Selbstbestimmungs-Referendum,
  • 30. August 1999: Volksabstimmung.
  • September: Vom indonesischen Militär gesteuerte Milizen überziehen Osttimor mit einer Welle der Gewalt. Hunderttausende fliehen bzw. werden von der Besatzungsmacht nach Westtimor vertrieben oder verschleppt. Der UNO-Sicherheitsrat beschließt die Entsendung einer multinationalen Truppe und die Einsetzung einer Übergangsverwaltung bis zur Verwirklichung der Unabhängigkeit.
  • Jänner 2000: UNO und Indonesien unterzeichnen Osttimor-Grenzvertrag. Ein UNO-Dokument stellt fest, dass Indonesiens Armee unter ihrem früheren Chef General Wiranto für systematische Gräueltaten in Osttimor verantwortlich war.
  • Juni: Nach Terrorakten pro-indonesischer Milizionäre stoppt die UNO die Repatriierung der Flüchtlinge und stellt im August die Tätigkeit in Westtimor ein.
  • August: UNO-Sicherheitsrat fordert nach dem Tod des ersten Blauhelm-Soldaten, eines Neuseeländers, Indonesien zur Unterbindung der Terrorakte von Paramilitärs auf.
  • Jänner 2001: Der berüchtigte Milizführer Eurico Guterres wird in Jakarta vor Gericht gestellt und später zu sechs Monaten Haft verurteilt.
  • März: Aufdeckung eines Mordkomplotts gegen Gusmao.
  • April: Bischof Belo fordert Menschenrechtstribunal für Osttimor Ein indonesischer Geheimbericht ergibt, dass die Gräueltaten in Osttimor von Indonesien angezettelt wurden.
  • 30. August: Freie Parlamentswahlen. (APA/dpa)
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