Hormone ja, aber natürlich!

27. August 2001, 13:20
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Eine US-Studie hat gezeigt, dass künstliche Hormone zur Behandlung von Wechselbeschwerden das Herzinfarktrisiko erhöhen können. Frauenarzt und Hormon-Experte Prof. Markus Metka aus Wien sagt im Interview mit mymed.cc, welche Hormontherapie wann sinnvoll ist.

Das Interview führte Peter Seipel

Mymed: Herr Professor Metka, nach den neuesten Richtlinien der American Heart Association wird von einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren abgeraten, da das Risiko einer koronaren Herzkrankheit dadurch erhöht werden könnte. Was raten Sie Ihren Patientinnen, die derzeit Hormone gegen Wechselbeschwerden einnehmen?

Metka: Zu der amerikanischen Studie ist zu sagen, dass dabei die Probanden praktisch über einen Leisten geschoren wurden und alle die gleiche, überhöhte Hormondosis bekamen. Das macht die Interpretation der Ergebnisse nicht gerade einfach. Wir gehen in der Praxis ja viel vorsichtiger mit der Dosierung um. Zuerst wird der Hormonstatus einer Patientin bestimmt, dann wird ein verminderter oder aus der Balance geratener Hormonspiegel gezielt ausgeglichen.

Mymed: Besteht also aus Ihrer Sicht kein Grund, auf eine Hormonersatztherapie zu verzichten?

Metka: Die jüngste US-Studie hat gezeigt, dass es bei Frauen, die bereits Probleme mit dem Herzen haben, zu einer leichten Verschlechterung kommen kann. Außerdem gibt zu denken, dass nach einer zehn Jahre andauernden Substitution das Brustkrebsrisiko geringfügig zunimmt. Jene Frauen aber, bei denen während einer Substitution Brustkrebs diagnostiziert wird, haben wiederum eine bessere Prognose als Frauen, die keine Substitution bekommen. Unsere Konsequenzen aus all diesen Erkenntnissen sind, dass unsere Diagnosen noch genauer ausfallen und die Dosierungen noch vorsichtiger gehandhabt werden.

Mymed: Wäre es nicht besser, bis zur Abklärung aller Risiken völlig auf eine Hormonersatztherapie zu verzichten?

Metka: Der Begriff "Anti-Aging" ist heute stark in Mode gekommen, und die Medizin macht auf diesem Gebiet immer größere Fortschritte. Eine sorgfältig abgestimmte Hormonersatztherapie kann für eine Frau in den Wechseljahren viele positive Wirkungen haben. Die in dieser Lebensphase häufig auftretenden Wallungen, Stimmungsschwankungen und Depressionen verschwinden oder werden gemildert, die Alterung der Haut wird gebremst, das Wachstum von Haaren und Fingernägeln gefördert. Außerdem haben Studien gezeigt, dass Frauen mit einem ausgeglichenen Östrogenspiegel auch bessere Blutfettwerte haben - da fährt die Eisenbahn drüber!

Mymed: Gibt es Alternativen zu einer Hormonersatztherapie, die ebenfalls Anti-Aging-Effekte haben?

Metka: Wir verwenden in unserer Praxis zunehmend Hormone natürlichen Ursprungs, wie sie zum Beispiel in Soja und Rotklee enthalten sind. Diese Substanzen mit der wissenschaftlichen Bezeichnung "Selektive Östrogen Rezeptor Modulatoren", abgekürzt SÖRM haben kaum Einflüsse auf Brustdrüsengewebe und Gebärmutterschleimhaut und zeigen trotzdem alle positiven Wirkungen für Haut und Knochendichte.

Mymed: Wie weit ist man in der Entwicklung einer Hormonersatztherapie für Männer?

Metka: Die Diagnostik ist bereits sehr weit fortgeschritten, sodass wir heute bereits eventuelle Dysbalancen sehr gut feststellen können. Von einer durch Studien abgesicherten Hormonersatztherapie für Männer sind wir aber noch weit entfernt.

Mymed: Herr Professor, wir bedanken uns für das Gespräch!



Die Rubrik "Das Interview der Woche" bringen wir in Zusammenarbeit mit unserem Partner

  • Artikelbild
    foto: mymed.cc
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