Bürgerinitiative ruft zur "Mahnwache" für die Sofiensäle

27. August 2001, 13:23
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Verwirrung um Teilabriss - Vorerst nur Schild entfernt

Wien - Die neu gegründete Bürgerinitiative "Rettet die Sofiensäle" ruft zur Mahnwache: Mit einer Versammlung vor der Brandruine wollen die Mitglieder am Dienstag um 19 Uhr ihre Forderung nach einem Wiederaufbau des Gebäudes unterstreichen. Meldungen, wonach bereits am Montag der Teilabriss erfolgen sollte, haben sich vorerst nicht bestätigt: "Es ist gar nix passiert", berichtete Markus Landerer, einer der Sprecher der Bürgerinititative.

Nur Schild abmontiert

Laut seinen Angaben wurde bisher lediglich ein bei einem Seiteneingang angebrachtes Schild mit der Aufschrift "Sofiensäle" abmontiert. Das sei es schon gewesen. Die Inititative "Rettet die Sofiensäle" wehrt sich demnach nicht nur gegen den drohenden Vollabriss, sondern auch gegen die allzu rasche Beseitigung der Einsturz gefährdeten Mauern.

Beweismaterial könnte zerstört werden

"Da könnte man sich sicher noch zwei Wochen Zeit lassen. Wir befürchten nämlich, dass damit auch Beweismaterial, was die Brandursache betrifft, zerstört werden könnte", meinte Landerer. Die Bürgerinitiative besteht derzeit aus rund zehn Personen - die jedoch von "vielen Sympathisanten" unterstützt würden. Wien, so sind die Aktivisten überzeugt, könne sich den Verlust des "musik- und kulturhistorisch einzigartigen Saales" nicht leisten.

Einsturzgefährdet

Laut Sofiensäle AG müssen jedoch zumindest die Einsturz gefährdeten Mauerbereiche an der Blattgasse sowie Reste der Giebelwände der Bühne rasch abgetragen werden. Laut Karl Pistotnik vom Aufsichtsrat der Gesellschaft sei es unwahrscheinlich, dass noch am Montag mit den Arbeiten begonnen wird. Erst in den kommenden Tagen soll es so weit sein.

Akt soll noch heute an die Staatsanwaltschaft gehen

Die Ermittlungsergebnisse zum spektakulären Brand der Sofiensäle könnten schon bald bei der Staatsanwaltschaft Wien eintreffen: Michael Kendl vom Wiener Sicherheitsbüro hofft laut eigenen Angaben, dass er den Akt noch am Montag an die Anklagebehörde übermitteln wird. Die Erhebungen der Exekutive deuten demnach auf fahrlässiges Verhalten bei Flämmarbeiten hin.

Laut Sicherheitsbüro war zum entscheidenden Zeitpunkt nur eine Person mit den Arbeiten beschäftigt. Gerüchte, wonach doch mehrere Leute am Dach gestanden sind, hält der Ermittler laut eigenen Angaben für nicht glaubwürdig. Ein Anrainer hatte dies behauptet. Kendl: "Wir wissen nicht, ob der Mann nicht schon die ersten Löschversuche gesehen hat."

Auch die Allianz Elementar Versicherungs AG beschäftigt sich seit Tagen intensiv mit der Causa. Schätzungen über die mögliche Schadenshöhe wollte man dort aber vorerst noch nicht verlautbaren. Die "Preisermittlung" könne noch Wochen dauern, sagte Allianz-Sprecherin Marita Roloff. Bei der Allianz Elementar ist nicht nur die Feuerversicherung für die Sofiensäle abgeschlossen worden - auch die mit den Dacharbeiten befasste Firma ist dort haftpflichtversichert. (APA)

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