Ikea-Katalog: Bürokraten auf Elchjagd

28. August 2001, 12:55
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Landesspezifische Probleme bei Euroumstellung in Österreich

Wien - Österreichs Handel und Gastronomie sieht sich bei der Euro-Bargeldumstellung mit mehr Problemen konfrontiert als in anderen europäischen Ländern. Ein gutes Beispiel ist der Ikea-Katalog 2002, der Ende August erschienen ist. Die Preise sind darin - wie zu erwarten und gesetzlich vorgeschrieben - sowohl in Schilling als auch in Euro angeben.

Und doch könnte der schwedische Möbelriese, der für den Katalog ein weltweit einheitliches Layout hat, in Österreich Probleme bekommen: Denn die Preisangabe - Euro links, Schilling rechts - widersprechen den ab 1. Oktober geltenden strengen Vorgaben zur doppelten Preisauszeichnung des Euro-Währungsangabengesetzs (EWAG). Die Preiskommission im Wirtschaftsministerium wird sich jedenfalls demnächst mit dem Möbelkatalog beschäftigen. "Wir hier in Österreich haben gar nicht den Spielraum, Änderungen im Layout vorzunehmen", verteidigt Ikea-Pressesprecherin Gabi Vyskocil die Vorgangsweise. Daher wäre es nicht möglich gewesen, die Schillingpreise links und die Europreise rechts anzugeben. "Wir denken, das ist auch so für den Kunden klar gekennzeichnet und übersichtlich", so Vyskocil. Nun werde man abwarten, was passiert.

"Ungesetzlich"

Ab 1. Oktober 2001, mit dem Beginn der doppelten Preisauszeichnungsphase, sind die Millionen Ikea-Kataloge "ungesetzlich". Österreich habe sich entschieden, den Konsumenten auf den ersten Blick Schilling- und Europreise deutlich zu machen, betont der Leiter der Euro-Preiskommission im Wirtschaftsministerium. Er werde den Katalog von den Preisbehörden prüfen lassen.

Das Beispiel Ikea ist nur eines von vielen, das zeigt, wie schwer es in der wirtschaftlichen Praxis sein kann, das EWAG und vor allem die doppelte Preisauszeichnung auf Punkt und Beistrich umzusetzen. Internationale Hotelketten oder Gastronomiebetriebe kämpfen ebenfalls mit den Tücken des EWAG. Österreich ist gemeinsam mit Griechenland und Portugal eines der wenigen Länder, die die Euroumstellung mit einem eigenen Gesetz geregelt haben.

"Wir können nur von der Verwaltung Kulanz erwarten", meint Heinz Kogler vom Euro-Informationscenter der Wirtschaftskammer. Probleme wie unrunde Schillingpreise in der Gastronomie oder falsche Umrechnungen seien "die Konsequenz der exzessiven Regelung.(APA, DER STANDARD, Printausgabe 28.8.2001)

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