Diplomaten wollen Ausländerprozess in Afghanistan beobachten

28. August 2001, 12:59
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Gespräche mit Taliban-Vertretern begonnen

Kabul - Deutschland, Australien und die USA haben die in Afghanistan herrschenden fundamentalistischen Taliban-Milizen aufgefordert, bei dem bevorstehenden Prozess gegen die acht wegen christlicher Missionierung inhaftierten Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Shelter Now International" (SNI) Beobachter zuzulassen. "Wir haben heute die Gespräche darüber begonnen und werden hoffentlich weiter verhandeln", sagte der aus Pakistan angereiste deutsche Konsul Helmut Landes am Dienstag in Kabul.

Das "Außenministerium" des international nicht anerkannten Taliban-Regimes habe weitere Besuche der westlichen Diplomaten bei den Gefangenen - vier Deutsche, zwei Australier und zwei US-Amerikaner - in Aussicht gestellt. Nach Angaben der Diplomaten geht es den SNI-Mitarbeitern im Gefängnis gut. Die internationale Staatengemeinschaft anerkennt die von den Taliban vertriebene rechtmäßige Regierung des Präsidenten Burhanuddin Rabbani, die im Besitz des afghanischen UNO-Sitzes ist.

Prozess vor islamischem Gericht droht

Die Taliban-Machthaber wollen den inhaftierten Ausländern den Prozess vor einem islamischen Gericht machen. Den 16 inhaftierten afghanischen SNI-Mitarbeitern droht die Todesstrafe. Taliban-"Außenminister" Wakil Ahmad Muttawakil hatte erklärt, es werde untersucht, ob es eine "größere Verschwörung" von Ländern und Organisationen gebe, um "gute afghanische Moslems" zum Christentum zu bekehren.

Die Direktorin des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen, Catherine Bertini, warnte in Bangkok im Falle eines Todesurteils gegen die afghanischen SNI-Mitarbeitern vor katastrophalen Folgen für die Arbeit von Hilfsorganisation in dem von Bürgerkrieg und einer verheerenden Dürre heimgesuchten Land. Das WFP ernährt nach eigenen Angaben derzeit 3,8 Millionen Afghanen. Dabei verteile es die Güter mit Hilfe von über 150 Nichtregierungsorganisationen, zu denen auch "Shelter Now" gehörte. (APA/Reuters/AP)

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