London als Zentrum der Bedürftigen

27. August 2001, 16:46
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Nirgendwo in Großbritannien gibt es prozentuell so viele Arme wie in der Hauptstadt

In der britischen Hauptstadt leben 43 Prozent aller Kinder und 30 Prozent der Pensionisten in Armut. Dies geht aus der in diesem Sommer vom hiesigen Bürgermeisteramt veröffentlichten jüngsten Statistik hervor. London weist damit den prozentuell höchsten Anteil sozial schwacher Menschen im gesamten Land auf, denn auch bei den Erwachsenen im arbeitsfähigen Alter liegt die Kapitale nur an vorletzter Stelle. Lediglich der Nordosten schneidet hier noch schlechter ab.

Die Zahlen, die auf von der Regierung ermittelten Daten beruhen, gelten jeweils für 1999/2000. Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Londoner Werte gegenüber dem Zeitraum 1998/99 fast durchgängig verschlechtert haben, während die Zahl der in Armut lebenden Kinder und Pensionisten im Nordosten wie auch im Nordwesten Großbritanniens gesunken ist.

Als Armutsschwelle gilt dabei ein Einkommen von weniger als 50 Prozent des nationalen Durchschnittseinkommens (rund 6800 Schilling oder 500 Euro pro Woche) nach Abzug der Wohnkosten. Speziell Letzteres fällt insbesondere in London ins Gewicht, weil hier im vergangenen Jahrzehnt die Wohnkosten überproportional gestiegen sind.

Detaillierte Analysen sollen nun offen legen, inwieweit zum Wohnsektor noch andere Faktoren kommen, die Maßnahmen zur Armutsbekämpfung in der Kapitale konterkarieren. Denn die Verbesserungen im Norden werden auf die Einführung einer Mindestpension sowie auf diverse Steuervergünstigungen zurückgeführt, die in gleichem Maße für die Londoner gelten.

Bürgermeister Ken Livingstone zeigte sich jedenfalls schockiert darüber, dass bisher eingeführte Unterstützungsmaßnahmen den allerärmsten Londonern eindeutig nicht zugute gekommen sind und die New-Labour-Regierung noch weit davon entfernt ist, die sozialen Probleme des Landes in den Griff zu bekommen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 8. 2001)

Von STANDARD-Korrespondentin Brigitte Voykowitsch aus London
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