Manipulation mit Zeitlöchern

26. August 2001, 20:48
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Marine Hugonnier huldigt virtuos der verdeckten technischen Intervention

Die Objekte/Installationen
Candle, Flower, Still oder Interlude der französischen Künstlerin Marine Hugonnier leben von der verdeckten technischen Intervention. So besteht Candle beispielsweise aus einer brennenden Kerze, die den Duft einer gerade ausgeblasenen Kerze verströmt, und Still benötigt einen kleinen Motor, der das Wasser im Glas unverhofft vibrieren lässt.

Auf diese irritierende Weise in die Chronologie der Ereignisse und den "natürlichen" Lauf der Dinge eingreifend, werden von der Künstlerin immer wieder kleine Zeitlöcher aufgemacht, in denen das Nebeneinander von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft simuliert wird. Und weil dort, wo die Vergangenheit schon immer auf ihre Gegenwart verweist, die Auseinandersetzung mit der derzeitigen Regierungskonstellation nahe liegt, verwirklichte die Künstlerin ein Projekt, das bereits im Februar 2000 geplant wurde: ein Klavierstück von Arvo Pärt, gespielt von Anna Hanusova, einer Überlebenden des KZ Theresienstadt. Die sehenswerte audiovisuelle Dokumentation der Aufführung wird nunmehr in künstlerisch bearbeiteter Form präsentiert. (cp - DER STANDARD, Print, 27.8.2001)


Kerstin Engholm Galerie, 4., Schleifmühlgasse 3, 585 73 37. Di-Fr 13-19, Sa 11-15. Bis 7. 9.
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