Buntes Fleisch und glatte Haut für den Gusto zwischendurch

26. August 2001, 21:45
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Snackfood-Produzenten machen der Kiwi die Marktposition streitig - sie muss bunter, kleiner, sexier werden

Die grüne Kiwi mit der braun behaarten Schale, ein Symbol für Neuseeland wie Knödel für Österreich, nimmt neue Formen an. Neuseeländische Forscher wollen nicht nur ihrer Größe und ihrem Geschmack, sondern auch der Schalenkonsistenz und vor allem ihrer Farbe zu Leibe rücken.

Die Obstzüchter arbeiten derzeit an einer kleinen, besonders süßen Variante, deren dunkelgrüne Schale nicht behaart, sondern glatt und vor allem genießbar ist, sodass man die Frucht als Ganze in den Mund stecken kann. Aufgrund ihrer äußerlichen Ähnlichkeit mit der Weintraube heißt die neue Sorte "Kiwitraube".

"Wir wollen ein ebenso breites Angebot an Kiwis (Aktinidien, Anm.) auf den Markt bringen, wie an Steinfrüchten wie Pfirsichen, Pflaumen oder Nektarinen erhältlich ist", sagt Alan Seal, wissenschaftlicher Leiter für neue Obstsorten am Te Puke Research Centre auf der neuseeländischen Nordinsel. Das Forschungszentrum ist eine der fünf Plantagen des Horticulture&Food Research Institute of New Zealand, dessen Aktionäre Regierungsminister sind. Das Ziel Neuseelands ist ein Wettbewerbsvorteil gegenüber Ländern, die die eingangs erwähnte, weltweit bekannte grüne "Hayward"-Variante der Kiwi ebenfalls global exportieren - wie Italien oder Chile.

Doch nicht nur global exportierende Obstproduzenten machen der neuseeländischen Kiwi die Marktposition streitig. Einer der größten Konkurrenten der Vitamin-C-reichen Frucht auf dem Lebensmittelmarkt seien Fix-fertig-Snacks, sagt Forscher Seal in seiner Eigenschaft als Ernährungsexperte: "Für den Hunger zwischendurch greifen Menschen im heutigen Arbeitsalltag eher zu einer Packung Knabbergebäck oder essen ein Minijoghurt oder einen Schokoladenriegel. Eine Kiwi zu waschen, sie auf einen Teller zu legen, in der Mitte durchzuschneiden und dann das Fruchtfleisch herauszulöffeln ist zu umständlich geworden." Was auch die Eigenschaften der neuen, weintraubengroßen, im Ganzen verspeisbaren Sorte erklärt.

Verblüffungseffekt

Die künftige Produktpalette soll auch Kiwis mit roter, essbarer Schale enthalten. Denn für die Konsumenten spiele auch die Ästhetik sowie der Verblüffungseffekt mit: Die rote Kiwi sieht einer Kirschtomate täuschend ähnlich, ist aber süß im Geschmack. Alan Seal sieht sogar Marktchancen für eine süß-säuerliche Sorte mit grüner Schale und rotem Fruchtfleisch, die durch Kreuzung von glatthäutigen Arten mit der roten Sorte "Aktinidia Melandra" kreiiert werden kann.

Die rote Kiwi anstelle der grünen als Demontage eines Nationalsymbols? "Keineswegs", meint der Obstbauexperte, denn "abgesehen davon, dass die weltweit bekannte grüne Kiwi auf dem Markt bleibt, ist sie ebenfalls ein Produkt der Züchtung." Die Kiwi stammt nämlich von der chinesischen Stachelbeere ab, deren Samen erstmals im Jahr 1904 von Missionaren aus dem nördlichen China nach Neuseeland gebracht wurden.

Neuseeländische Pflanzenzüchter erkannten schon früh das Potenzial der fremdländischen Samen und züchteten aus der Stachelbeere eine Palette verschiedenster Sorten, von denen ein Großteil bis heute existiert - manche enthalten bis zu zehnmal so viel Vitamin C wie die bekannte grüne Kiwi. Einige Reben wurden damals aufgrund der kongenialen Wetterbedingungen sogar nach Kalifornien versandt, wo wiederum andere Sorten zustande kamen. Für den kommerziellen Vertrieb in Neuseeland und den Export wurde wegen ihrer guten Lagerbarkeit die grüne Kiwi mit der braun behaarten Schale des Pflanzenzüchters Hayward Wright auserwählt - der neuseeländische Export begann 1953 und erfuhr in den Achtziger- und Neuzigerjahren einen weltweiten Boom.

"Goldene" Früchte

Jüngste Zahlen geben Anlass zur Hoffnung auf dessen Fortsetzung: Eine zwetschgengroße, gelbe Sorte von mangoähnlichem Geschmack, die im Vorjahr in den USA lanciert wurde, brachte nach Angaben des Te-Puke-Forschungszentrums einen Nettoumsatz von 32 Mio. US-Dollar (484 Mio. Schilling/35 Mio. Euro) ein - der Verkaufspreis lag um 65 Prozent über jenem der "Hayward"-Kiwi. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 8. 2001)

Von Eva Stanzl
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