Sündenbock Konjunktur von Günther Strobl

26. August 2001, 19:54
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Wirtschaftsforscher nehmen Wachstumsprognosen zurück, da und dort ist gar von Rezession die Rede. Kein Wunder, dass jetzt auch Österreichs Tourismuswirtschaft aufschreit und Schlimmes für die Branche befürchtet. Da die Haupturlaube meist Monate im Voraus geplant werden, die Stimmung derzeit aber schlecht wie schon lange nicht ist, könne man sich die Auswirkungen auf den Tourismus im kommenden Jahr ausmalen: eine Katastrophe.

Noch ist von einem konjunkturbedingten Rückgang im Fremdenverkehr freilich nichts zu spüren. Die Straßen sind verstopft wie eh und je; ein Platz am See oder eine Aussicht von der Höh' sind nur mit Mühe zu bekommen. Dass ein geringeres Wirtschaftswachstum an der Verstopfung etwas ändern sollte, ist schwer vorstellbar. Schließlich haben wir uns in Europa an ein Heer von Millionen Arbeitslosen gewöhnt. Dem Tourismus hat die hohe Arbeitslosigkeit nicht geschadet. In Urlaub wird gefahren - wenn es sein muss, kreditfinanziert. Denn zu Hause halten es immer weniger aus. Es wird nicht mehr so weit gefahren und statt ein paar Wochen nur mehr ein paar Tage geurlaubt. Aber auch davon müsste Österreich als direkter Nachbar von Reiseweltmeister Deutschland profitieren. Das Geschrei und der Hinweis auf die schlechte Konjunktur klingen wie eine Entschuldigung, falls die Befürchtungen eintreten und der seit längerem zu beobachtende Aufwärtstrend im Tourismus nächstes Jahr abbricht.

Tatsache ist: Es gibt einige exzellente Wirte und viele miserable. Die Guten der Branche reden sich weder auf das Wetter aus noch auf die Wirtschaftslage. Die anderen hingegen reden von nichts anderem. Die Konjunktur mag für vieles herhalten. Um Schwächen zu kaschieren, ist sie aber denkbar ungeeignet.

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